"Euro muss Chefsache werden - auch in der Politik" von Sabine Radl

WirtschaftsBlatt-Kommentar zum Euro

Wien (OTS) - Eigentlich sollten Europas Politiker langsam nervös werden: In neun Monaten wird für 300 Millionen Menschen in Europa der Euro zum Zahlungsmittel, und viele Leute haben keinen blassen Schimmer, was sie erwartet. Hinzu kommt: Zahlreiche Unternehmer sind mit der Europawährung noch nicht auf Du und Du. Immerhin ein Viertel der Klein- und Mittelbetriebe meint, es gebe selbst jetzt keinen Handlungsbedarf (siehe Seite A6). Nach dem Radau um die EDV-Umstellung beim Jahrtausendwechsel, der sich im Nachhinein als überzogen herausgestellt hat, glauben sie, es werde auch diesmal nicht so schlimm kommen. Das ist ein schwerer Fehler: Wer aus dem Euro einen Erfolg machen will, braucht mehr als ein neues Buchhaltungsprogramm: Mitarbeiter müssen geschult werden - nicht nur in Handelsketten, auch beim Wirten oder Greissler ums Eck'. Eines der absehbaren Probleme: 2002 kann in Österreich zwei Monate lang auch noch in Schilling bezahlt werden, während das Wechselgeld in Euro herausgegeben werden sollte. Lange Warteschlangen an den Kassen und mancher Streit sind programmiert. Es gilt, Preispolitik und Marketing zu ändern. Lockpreise wie 99,90 werden obsolet, wenn mit der Umrechnung in die Europawährung nicht auch manche Packungsgrösse geändert wird. Clevere Geschäftsleute können den Euro wegen der damit verbundenen besseren Vergleichbarkeit der Preise für den einen oder anderen Exportfeldzug nützen. Oder gezwungen sein, einen solchen Angriff der Konkurrenz abzuwehren. Alle diese Massnahmen brauchen Zeit und Rat - und der ist umso teurer, je näher der 1. Jänner 2002 rückt. Keine Frage: Die innerbetrieblichen Vorbereitungen auf den Euro fallen in die Verantwortung der Wirtschaft, und nicht wenige Betriebe nehmen sie bei aller Kritik wahr. Aber auch die Regierung ist gefordert. Sie glaubt offensichtlich, ihr Beitrag zur Eurofitness ist mit dem Schnüren von Sparpaketen getan, und straft den Euro, vom Kanzler abwärts, seit Monaten mit Nichtbeachtung. Der Euro ist DER Motor zur Herausbildung einer europäischen Identität, mehr als die brillianteste Sonntagsrede es je sein wird. Seine Vermarktung muss zur Chefsache werden - auch in der Politik. (Schluss) sara

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