"Kleine Zeitung" Kommentar: "Trügerisches Hoch" (von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 11.04.2001

Graz (OTS) - Die SPÖ erlebt in diesen Tagen ein Frühlingserwachen. Sie blüht auf. Der Triumph Michael Häupls war kraftvoller Humus für die geknickte rote Nelke. Sämtliche Umfragen weisen die Partei auf Platz eins aus. Man träumt wieder von der Macht.

Das Wonnegefühl ist verständlich, aber trügerisch. Die Partei verdankt ihren Aufschwung weniger der eigenen Erstarkung als vielmehr dem desolaten Zustand der Wende-Regierung und ihren blamablen Pannen. Wie reife Früchte sind sie der Opposition zu gefallen. Sie musste nur die Schürze gradhalten.

Was ihr inhaltliches Profil anlangt, so hat sich am Bild der SPÖ wenig geändert. Sie scheint gefestigt, aber bleibt konturenarm. Man weiß, wogegen sie ist, aber wofür sie steht, ist nach wie vor diffus. Sie lebte von der Negation, vom Nein. Das reichte zum Punktesammeln, aber für einen Führungsanspruch im Staat ist es zu wenig.

Auch für Alfred Gusenbauer ist das Hoch zweischneidig. Nicht wenige in der Partei meinen, es sei nicht wegen, sondern trotz des Obmanns zustande gekommen. So wärmend die Umfragen für diesen sind, sie belegen: Michael Häupl wäre der kanzlertauglichere, zugkräftigere Frontmann. Mit dieser Hypothek muss Gusenbauer in die nächste Wahl.

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