Pressestimmen/Vorausmeldung/Politik/Grasser "Neue Kärntner Tageszeitung" - Kommentar: Scheitern am Meisterstück

Ausgabe vom 7. April 2001 Klagenfurt (OTS) - Der junge Finanzminister musste ja wirklich schon selbst daran glauben, ein Liebling der Götter zu sein. Alles schien nach Plan zu laufen. Ja der internationale Währungsfonds selbst schickte sich an, Lob über den Jüngling zu gießen. Das Nulldefizit -das Schwarz-Blau einzig vorstellbare Elysium aller politischen Ziele-schien zum Greifen nahe. Gestern wurde es ihm aus der Hand geschlagen. Er hatte zuletzt geglaubt, das von Schüssel und Haider gepredigte Ziel rechtfertige so ziemlich alle Mittel. Gestern wurde Karl-Heinz Grasser von Jörg Haider fast ohne Vorwarnung darüber belehrt, dass das Nulldefizit nicht das politische Meisterstück ist, wenn der Preis dafür weiterhin Freiheitliche Partei im allgemeinen und Jörg Haider im Besondern heißen sollten. Als es um die Partei allein ging, hatte sich Haider noch mit der Einmahnung von ‚Herz‘ begnügt. Doch gestern war es um Haiders Glaubwürdigkeit als Landeshauptmann gegangen. Ein Ausscheren aus der Reihe seiner acht Länderkollegen - wie noch am Vorabend geübt, wäre nicht mehr argumentierbar gewesen. Um seine eigene Glaubwürdigkeit zu retten, droht er nun mit Verfassungsklage. Wenn dabei das von Haider mitformulierte Regierungsziel Nulldefizit auf der Strecke bleibt, sei dies ab sofort in Kauf zu nehmen. Tatsächlich erfolgte gestern die Absage an das vorrangigste Koalitionsziel, dem bisher alles untergeordnet worden war. Alle, vom Rentner bis zum Patienten, vom Studenten bis zum Beamten, mussten und müssen sich unterordnen. Nur wenn die Reihe an Haider kommt, ist plötzlich alles so grauslich.

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