WirtschaftsBlatt-Kommentar zum ORF von Engelbert Washietl Medien, Märkte, Muskelmänner

Wien (OTS) - In Österreichs Medienlandschaft fahren Planierraupen auf. Die geplante ORF-Reform hat Kräfte mobilisiert, allerdings problematische: Die, die Muskeln haben, lassen sie spielen. Es kann sein, dass Staatssekretär Franz Moraks Entwurf eines ORF-Gesetzes am Montag fertig ist, mit den ursprünglichen Zielen aber wenig zu tun hat. Dem ORF gelang es, die durch Finanzminister Grassers Nulldefizit-Visionen ohnedies schwer gestörte Riege der Landeshauptleute völlig kopfscheu zu machen. Es genügte der süffisante Hinweis, dass weniger ORF-Werbung auch weniger Geld für den Föderalismus-Auftrag bedeute - schon war allen Landespolitikern klar, worum es geht: um ihre geliebten und politisch recht brauchbaren Landesstudios.

Diese Botschaft ging so richtig hinein. Ähnlich stiegen Vertreter der Werbewirtschaft auf die Barrikaden: Nicht der ORF, die Wirtschaft brauche Werbezeiten und neue Werbeformen. Das stimmt, ist aber in der pauschalen Form auch schon wieder falsch. Die Wirtschaft kann nicht daran interessiert sein, dass sich der ORF als wertvolles Forum für Werbung selbst abwertet, indem er Information mit Geschäft vermanscht. Drittens erhoben sich Medien-Zampanos, die mit dem ORF, so wie er ist, ausgezeichnet können. Die "Krone³ feuerte Breitseiten gegen die Zumutung, sie dürfe im ORF nicht mehr für sich werben. Die neu formierte Zeitschriftengruppe News schoss aus allen ihren Rohren auf Reform, Reformer und Weisenrat, der Medienmonopole gern gezügelt hätte. Seit dem Kartellurteil wissen wir zwar, dass die News-Zeitschriftengruppe gar kein Monopol ist. Sie rühmt sich aber, sechs Millionen Leser zu haben - eine hundertprozentige Reichweite. Der Ring schliesst sich: ORF, Krone, News-Magazine; eine Gratiszeitung des Medienzaren Hans Dichand, die Wiens Bürgermeister Häupl nahe steht; eine zahnlose Kartellentscheidung; eine vom Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider spendabel geförderte Mediaprint-Druckerei und vielleicht bald auch ein zu dieser Gruppe gehöriges Privat-TV; ein Klubchef Westenthaler, der alle beruhigt, auch den Koalitionspartner. Monopol? I wo! Die Medienzwerge jedoch, die nicht zum Ring gehören, merken allmählich, dass sie nicht einmal mehr das sind, was die Schwaben mit dem treffenden Wort "Waag-Scheisserle" bezeichnen. Und sie haben Angst. (Schluss) was

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