Denn sie wissen, was wir wollen

Typisch österreichische Lösung für die Öffnungszeit
(Von Dietmar Mascher)

Naturblumenhändler habenüs gut. Sie dürfen künftig am Samstag auch nach 17 Uhr ihre Geschäfte offen halten. Das ist Teil jenes Gesetzesentwurfes, den Wirtschaftsminister Martin Bartenstein gestern zur Begutachtung ausgeschickt hat. Auch Banken dürfen künftig länger offen halten, ebenso werden die Friseure und Reisebüros künftig dem Handel gleichgestellt.
Das sind die eher unstrittigen Themen in der Diskussion um die Ladenöffnungszeiten.
Bei den grundsätzlichen Problemen ist Bartenstein offenbar zum einsamen Liberalen in der schwarz-blauen Reichshälfte geworden. Das betrifft die Verlängerung der maximalen Öffnungszeit pro Woche von 66 auf 72 Stunden. Und das betrifft den Wunsch des Ministers, dass ein Unternehmer frei entscheiden soll, wann er diese bis zu 72 Stunden zwischen Montag null und Samstag 17 Uhr offen zu halten gedenkt. iUnternehmer sind mündige Menschen. Sie wissen selbst, wann sie aufsperren und Geld verdienen könnenc, sagt Bartenstein.
Und hier liegt der grundsätzliche Fehler in der Denke des Ministers. Denn was für den Österreicher das Beste ist, weiß nicht er selbst, sondern immer irgendeine Behörde, ein Interessenvertreter oder ein anderer Politiker. Oder vielmehr: Sie wissen, was für ihn das Beste zu sein hat. Und er akzeptiert das meist auch noch.
Das zeigt sich auch wieder beim Thema Ladenöffnung, oder wie man in Oberösterreich gerne sagt: Ladenschluss. Bartenstein bekommt seine Vorschläge bei der FP offenbar nur dann durch, wenn die Länder den Unternehmern verbieten dürfen, länger als 66 Stunden offen zu halten. Oberösterreich hat schon angekündigt, was es von längeren Öffnungszeiten hält, nämlich gar nichts.

Auch Landesvater Josef Pühringer weiß, was das Richtige für die Seinen ist. Unterstützt von den kleinsten Krämerseelen des Wirtschaftsbundes, aber auch den Freiheitlichen Wirtschaftstreibenden hilft auch er, bestehende Strukturen zu erhalten. Es lebe die Verkrustung! Sie nimmt einem die Aussicht auf die Realität.
Zu glauben, das Greißlersterben dadurch zu stoppen, indem der Selbstbestimmung mutig entgegengetreten wird, ist nicht mehr naiv, sondern schon fahrlässig.
Österreich hat im Vergleich zu anderen Nationen restriktive Regeln bei den Öffnungszeiten und dennoch eine extreme Handelskonzentration etwa im Möbel- oder Lebensmittelhandel. Das hat viele Gründe, sicher aber nicht den Umstand, dass das Bedienen eines Kunden ab einer bestimmten Zeit mit Verwaltungsstrafen geahndet wird.

Wer nach Ladenschluss bedient werden will, muss entweder zu einer Tankstelle, zum Bahnhof oder zum Flughafen. Dort gibt es Ausnahmen. Eine Möglichkeit wäre laut Gesetzesentwurf auch, rechtzeitig einen Laden zu betreten und lange genug dort zu verharren. Dann dürfte man noch etwas kaufen. Vorausgesetzt, der Händler oder Verkäufer spielt noch mit. Denn ein Geschäft machen zu wollen, ist in Österreich nach wie vor keine Selbstverständlichkeit.

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