- 04.04.2001, 18:33:50
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Stinknormal=
Die FP und der Mythos von Anständigkeit und Fleiß
(Von Karl Danninger)
So hoch Q er streckt die rechte Hand weit vor, um zu zeigen, wie
hoch /, so hoch ist unser Anspruch an die Moral der Politik, damit
sie sauber bleibt. Er kann den Arm wieder sinken lassen.
Denn zwischen Anspruch und Erfüllung des Anspruchs klafft ein so
weites Loch, dass weitere Belehrungen fruchtlos sind. Die FP ist
nicht die Elite der Anständigen und Fleißigen, sie ist eine ganz
normale Partei und w wie wir jetzt detailliert erfahren haben / eine
stinknormale Partei. A und F bedeutet neuerdings wieder ganz etwas
Normales.
Der sagenhafte Aufstieg der FP unter Jörg Haider hatte seinen Grund
unter anderem darin, dass der damalige FP-Obmann gnadenlos und mit
einiger Übertreibung Missstände bei den damals Regierenden
aufgezeigt hat. Der Zulauf war, so gesehen, begründet. Haider hatte
für sich und seine Partei einen Scheinanspruch gestellt, den er bei
den anderen eingefordert hat. Die Gefahr, dass auch die FP einmal
daran gemessen würde, bestand nicht, weil sie in Wirklichkeit weit
weg von jeder Verantwortung war.
Jetzt ist sie in die Verantwortung eingebunden. Und siehe da, es
stellt sich heraus, auch in dieser Partei gibt es Vorkommnisse, die
dem Anspruch, den sie an die anderen gestellt hat, bei weitem nicht
entsprechen. Ute Fabel ist ein Name dafür.
Dass der Minister eine als kompetent beschriebene Frau als seine
Kabinettschefin geholt, ihre Angaben aber nicht rechtzeitig
überprüft hat, ist seine Verantwortung. Misstrauen hätte den
Missgriff erspart.
Aber es gibt noch eine andere Dimension hinter diesem Fall. Frau
Fabel war vom Ring Freiheitlicher Wirtschaftstreibender entliehen
und erhielt ein Monatsgehalt von 200.000 Schilling. Es soll in der
Privatwirtschaft tüchtige Leute geben, die einen solchen Verdienst
rechtfertigen.
Aber hier geht es um Steuergeld. Und es geht darum, dass die FP
niemandem weismachen kann, dass Frau Fabel ihren kompletten
Nettobetrag kassieren durfte, wo doch erstens der Minister weniger
verdient und zweitens alle freiheitlichen Funktionäre Einkommen
jenseits einer Grenze von 66.000 Schilling an einen so genannten
Sozialfonds abliefern müssen. Der Verdacht, hier werde mit
Steuergeld der Ring Freiheitlicher Wirtschaftstreibender n also die
Partei 4 finanziert, ist relativ aufdringlich. Dass es sich
obendrein nicht um einen Einzelfall handelt, verdichtet den Verdacht
weiter.
Ebenso verlagert sich die Betonung bei der Bezeichnung stink-normal
auf die erste Silbe. Womit die Entmythologisierung der einstigen
Sauber-Partei in die Wege geleitet ist. Freiheitliches Urgestein zu
sein, ist kein Qualitätsnachweis, weil in dem Urgestein weder
Edelstein noch Edelmetall gefunden werden konnten. Vielleicht glänzt
das Eine oder Andere, aber Glimmer glänzt auch.
Es war spannend, den Aufstieg der FP unter Jörg Haider zu
beobachten. Der Gipfel ist überschritten. Den Abstieg zu beobachten,
wird mindestens so spannend sein, wenn auch nicht so lustvoll für
die FP. Aber das gehört zur Normalität.
Rückfragehinweis: OÖ Nachrichten
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