Fischer: 27.000 Hektar der Bundesforste sollen doch verkauft werden

Erstverkäufe nur "Einstiegsdroge" - Verkauf der gesamten ÖBF droht

Wien (SK) In den letzten Wochen seien Meldungen aufgetaucht, dass nun doch zum Budgeterlös Grundstücke der Österreichischen Bundesforste (ÖBF) im Wert von 2,5 Milliarden Schilling verkauft werden sollen, sagte der Vorsitzende der Naturfreunde Österreich, Nationalratspräsident Heinz Fischer, Dienstag in einer Pressekonferenz. Das entspricht einer Fläche von 27.000 Hektar, wovon 62 Prozent Wald und 38 Prozent sonstige Flächen sind. Fischer und der Generalsekretär der Naturfreunde, Reinhard Dayer, forderten in der Pressekonferenz den Finanzminister auf, das Versteckspiel zu beenden und der Öffentlichkeit zu sagen, welcher Betrag nun tatsächlich von den Bundesforsten an das Budget abgeführt werden sollen. ****

"Wehret den Anfängen", betonte Fischer, da damit zu rechnen sei, dass ein Verkauf dieser 27.000 Hektar nur der Beginn einer Salamitaktik sei, die im scheibchenweisen Verkauf der gesamten Grundfläche der ÖBF endet. Der Verkauf hätte negative Folgen für den Tourismus, ist sich der Vorsitzende der Naturfreunde sicher. Außerdem sei zu befürchten, dass Teile der zu verkaufenden Flächen an Ausländer veräußert werde, da man offensichtlich beabsichtige auch Inserate in ausländischen Medien zu schalten.

Bedenklich sei auch die Empfehlung der Kommission zur Aufgabenreform, die besagt, dass das Eigentum des Bundes (ÖBF) keine notwendige Staatsaufgabe bildet. Es frage sich, was das bedeutet, nachdem Vizekanzlerin Riess-Passer bereits betonte, dass der Aufgabenbericht dieser Kommission umgesetzt werden müsse. "Da ist der Verkauf dieser ersten Flächen nur eine Einstiegsdroge. Das muss man zeitgerecht verhindern und jetzt eine Grundsatzdiskussion führen", unterstrich Fischer.

Dieser Ansicht ist auch Wolfgang Holzer als Betriebsrat der ÖBF. Auch für ihn stellt sich dieser Verkauf als "erste Scheibe einer großen Wurst" dar, die nun nach und nach verkauft werden soll. 27.000 Hektar entsprechen rund zehn Prozent der Waldfläche der ÖBF. Einer Milchmädchenrechnung gemäß bedeutet das auch zehn Prozent weniger Umsatz, zehn Prozent weniger EGT (Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit) und wahrscheinlich auch zehn Prozent weniger Personal. Holzer wies darauf hin, dass die ÖBF sehr profitabel geführt werde, sie haben im Vorjahr 200 bis 300 Millionen Schilling EGT erwirtschaftet.

Fischer und Dayer wiesen darauf hin, dass der von der Regierung vorgesehene Tausch Waldfläche gegen österreichischen Seen dem Verkaufswert der Wälder bei weitem nicht abdecke. So seien die Seen nur etwa ein Drittel der Waldflächen wert. Dayer sagte auch, dass der Anteil des Staatswaldes in Österreich im internationalen Vergleich ohnedies niedrig sei. Nun solle er gegen Null hin tendieren. So einen geringen Anteil an Staatswald wie derzeit in Österreich gebe es kaum in einem anderen Land Europas. Auch bei den Wasserreserven sei völlig ungeklärt, was man unter strategische Wasserreserven verstehe. Denn nur diese wären vom Verkauf ausgenommen. "Die öffentliche Hand soll auch in Zukunft über die Wasserressourcen verfügen können", unterstrich Dayer.

Dayer zweifelte ebenfalls an, dass die kleinen Bauern das nötige Geld hätten, um die Flächen der ÖBF zu kaufen. "Warten wir ab, wer die Grundstücke bekommt." Übrig bleiben nach Ansicht Dayers die Großgrundbesitzer. Damit sei auch die Erholungsfunktion des Waldes gefährdet, da diese Großgrundbesitzer am liebsten Zäune um ihre Grundstücke ziehen würden." Eine Forderung der Naturfreunde ist, die Wegefreiheit im Wald und in den Alpinregionen aufrecht zu erhalten. (Schluss) ns

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