"Neue Zeit" Kommentar: "Säuberung" (von Günther Gruber)

Ausgabe vom 3. 4. 2001

Graz (OTS) - Die SPÖ hat bei der vergangenen Nationalratswahl die Stimmen von 26,25 Prozent aller wahlberechtigten Menschen in Österreich erhalten, was 33,15 der abgegebenen, gültigen Stimmen ausmachte. Sie war über dieses Wahlergebnis zu Recht bitter enttäuscht und musste den Gang in die Opposition antreten. Folgte man den Unterstellungen der FPÖ-Spitze von Sonntag Abend im ORF, wäre die Enttäuschung der Sozialdemokraten völlig unangebracht. Demnach wäre nahezu die gesamte Beamtenschaft so fest in der Hand der SPÖ, dass sie nicht nur ein Kreuzerl bei der Wahl macht, sondern zur Sabotage der Regierung schreitet. Richter, Lehrer, Ministerialbeamte, Angestellte der Sozialversicherungen - sie alle wurden vom Kärntner Landeshauptmann und der Vizekanzlerin subversiver Tätigkeiten zum Schaden der Regierung geziehen.

Der unglaubliche Rundumschlag gegen die Beamten, denen es gelte, "das Handwerk zu legen", hat allerdings viel weniger mit einer widersinnigen Überschätzung "roter Macht" in unserem Land zu tun, als viel mehr mit zwei typischen FPÖ-Verhaltensmustern: Bei internen Krisen wird ein "Feind" von außen gesucht und zu monströser Gefahr aufgebauscht. Dagegen heißt es, die Reihen dicht zu schließen. Darüber hinaus bricht in solchen Situationen der altbekannte totalitäre Zug der FPÖ durch, jenen "das Handwerk zu legen", die Kritik üben. Säuberung des Staatsdienstes hat man in unseligen Zeiten dazu gesagt.

Rückfragenhinweis: Neue Zeit
Tel.: 0316/2808-306

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PNZ/OTS