"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Der erste Schritt" (von Monika Dajc)

Ausgabe vom 2. 4. 2001¶

Innsbruck (OTS) - Der letzten Siegerpose folgte nach Stunden doch noch die Fahrt des Slobodan Milosevic ins Belgrader Zentralgefängnis. Mehr als sechs Monate nach dem Sturz des Diktators hat Jugoslawien einen weiteren Schritt zur Überwindung der Vergangenheit getan. Er war nicht nur mühevoll, er hat auch viele noch vorhandene Schwächen und Schwachstellen aufgezeigt.

Bei Armee und Polizei gab es Widerstand gegen die Festnahme. Die konkrete Aktion mutete dilettantisch an. Und die neue Führung will nicht weiter gehen, als den Autokraten wegen Machtmissbrauchs und Korruption vor Gericht bringen. Auch das hätte vermutlich noch geraume Zeit gedauert, wäre nicht das amerikanische Ultimatum mit einem Ende der finanziellen Unterstützung gewesen. Washington legt sich noch nicht fest, welche Taten der ersten Geste folgen müssen. Für die EU ist erst recht Realismus gegenüber den neuen Machthabern Kostunica und Djindjic angesagt.

Hätte Milosevic tatsächlich nur für seinen Clan Unsummen beiseite geschafft, würde der Belgrader Prozess genügen. Es geht aber auch um Verbrechen in ganz anderen Dimensionen und die zweifelsfreie politische Entscheidung Belgrads, für deren Ahndung zu sorgen. Von Milosevic praktizierte Willkür hat den Serben massiv geschadet. Tausende Kroaten, Bosniaken und Kosovo-Albaner wurden zu Opfern. Weitere Unterstützung des neuen Jugoslawien ist untrennbar mit der Forderung verbunden, dass es die internationalen Institutionen akzeptiert. Das UNO-Kriegsverbrechertribunal ist eine davon.

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