• 30.03.2001, 15:54:56
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  • OTS0245 OTW0178

Kommentar 31.3.2001 - Konjunktur ist, was wir daraus machen von Herbert Geyer

Wien (OTS) - Der Konjunkturrückgang in den USA hat die
Wirtschaftsforscher veranlasst, ihre Wachstumsprognosen für heuer und
für das kommende Jahr teilweise spürbar zurückzunehmen. Das fügt sich
nahtlos in das seltsame Bild, das Konjunkturumfragen in der Industrie
seit einigen Monaten bieten: Während Quartal für Quartal der
Pessimismus für die jeweils kommenden Monate wächst, ergeben die
aktuellen Einschätzungen - davon offenbar völlig unbeeinflusst - auch
im folgenden und im nächsten Quartal das Bild ungetrübter
Hochkonjunktur. Alle warten auf den Einbruch in den USA, der auch
unsere Wirtschaft nach unten ziehen könnte - doch er kommt nicht.
Dabei kann uns die US-Konjunktur ziemlich wurscht sein: Der
Aussenhandel der EU macht lediglich zwischen zehn und 15 Prozent der
gesamten Wirtschaftstätigkeit in der Union aus. Das heisst, selbst
wenn das Wachstum der gesamten übrigen Weltwirtschaft abrupt von fünf
auf null Prozent abstürzen würde, würde das für die EU-Wirtschaft nur
eine Verlangsamung des Wachstums von 0,5 bis 0,7 Prozent bedeuten.
Zum Vergleich: Das ist etwa so viel wie der Unterschied, wenn nach
den Launen des Kalenders ein Jahr einmal 52 und einmal 53 Sonntage
umfasst. Und sogar dieser Einfluss ist noch zu hoch gegriffen. Denn
von den zehn bis 15 Prozent Aussenhandelsverflechtung der EU ist ein
steigender Anteil den europäischen Nicht-EU-Staaten (Schweiz,
Norwegen, mittel- und osteuropäische Reformstaaten) zuzurechnen. Und
die reagieren viel stärker auf Konjunkturschwankungen der EU als auf
jene der USA. Die Entwicklung der europäischen Wirtschaftszentren
beeinflusst unsere Konjunktur also viel mehr als jene auf der anderen
Seite des grossen Teichs: Gerhard Schröders Schnupfen muss uns mehr
Sorgen machen als ein Beinbruch George Bushs. Jedenfalls real. Denn
natürlich kann man eine Konjunktur auch krank beten. Und irgendwann
einmal wirken sich auch ständig unbegründete Sorgen negativ auf den
momentanen Gesundheitszustand des Patienten Wirtschaft aus. Das aber
liegt an uns Europäern selbst. Niemand zwingt uns, stets ängstlich
über den Atlantik zu schielen, ob von dort Wolken am Konjunkturhimmel
auftauchen. Unsere eigene Wirtschaft ist stark genug. Konjunktur ist,
was wir daraus machen. (Schluss) hg

Rückfragehinweis: Redaktionstel.: 91919-305

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