DER STANDARD-Bericht: "Zweifel an Leopolds Aussage: In der Stiftung Leopold befindet sich ein Schiele-Gemälde aus dem Besitz Leopold Poppers. Es steht unter Raubkunst-Verdacht." - Erscheinungstag 30.3.2001 (Von Thomas Trenkler.)

Wien (OTS) - Vor etwas mehr als einem Jahr, am 18. März 2000, veröffentlichte der Standard unter dem Titel "Schiele-Bestand soll unbedenklich sein" ein Gespräch mit Elisabeth Leopold, der Frau des Wiener Sammlers Rudolf Leopold. Sie ist Vorstandsmitglied der bundeseigenen Stiftung Leopold. Anlass für das Interview war der Anspruch, den die Erben von Jenny Steiner auf das Gemälde Häuser am Meer von Gustav Schiele erhoben. Das Bild mit einem geschätzten Wert von 190 Millionen Schilling befand sich damals (und befindet sich noch heute) in Besitz der Stiftung.

Angesichts dieser Problematik und des in New York beschlagnahmten Bildnisses Wally stellte sich, wie der Standard schrieb, die Frage, "wie viele Objekte mit zweifelhafter Herkunft sich noch in der Sammlung befinden". Das Augenmerk bei der lange Zeit nur halbherzig betriebenen Provenienzforschung hätte dabei zunächst natürlich dem Schiele-Bestand gegolten. Elisabeth Leopold sagte damals: "Wir haben in der Stiftung 44 Gemälde, von diesen haben 16 jüdische Vorbesitzer. Bei den meisten ist die Übergabe völlig klar."

In der Folge erklärte sie, von wem ihr Mann welches Bild erworben habe. Schließlich kommt sie noch auf ein kleinformatiges Ölgemälde mit dem Titel Häuser des Klosterneuburger Rathausplatzes aus 1908 zu sprechen: "Und die Klosterneuburger Häuser sind von einem Herrn Popper, aber ich konnte in keinem Archiv einen Hinweis auf ihn finden." Auf die Frage, ob also noch ein Schiele-Gemälde als bedenklich erscheine, antwortete Elisabeth Leopold unmissverständlich: "Nein."

Diesen Artikel las ein Marketing- und PR-Berater (die Identität ist dem Standard bekannt), der sich über den Namen Popper wunderte, da ihm dieser wohl vertraut war. Gegenüber dem Standard berichtet er, ein Fax an das Ehepaar Leopold gerichtet zu haben, in dem er mitgeteilt hätte, er wüsste, um wen es sich dabei handelt. Sollte man an Informationen interessiert sein, möge man sich bei ihm melden. Der PR-Berater, ein Bekannter des Erben, sagt, er hätte keine Antwort erhalten.

Vor wenigen Tagen lernte der Standard den Erben von Baron Leopold Popper, dessen Besitz in der NS-Zeit enteignet worden war, persönlich kennen. Er lebt in Wien. Im Zuge der Recherchen über das nie restituierte Vermögen seines Vaters, der ein bedeutender Industrieller und Bankier gewesen war, stellte sich heraus, dass Baron Popper auch sieben Schiele-Bildern besaß. Eines von diesen befindet sich nun in der Stiftung Leopold. Es wurde - u. a. zusammen mit dem weiterhin beschlagnahmten Bildnis Wally, das im Verdacht steht, Raubkunst zu sein - im Winter 1997/98 im Museum of Modern Art in New York gezeigt.

Die Frage, warum er bisher nicht an die Öffentlichkeit ging, beantwortet der Erbe dahingehend: "Dazu gibt es noch Gelegenheit genug."

Um sich nicht dem Vorwurf einseitiger Berichterstattung auszusetzen, fragte der Standard Elisabeth Leopold, ob die Recherchen bezüglich "Herrn Popper" weiter gediehen seien und ob ihr der Name des PR-Beraters geläufig sei. Sie antwortete: "Ich bin nicht verpflichtet, mit Ihnen zu reden. Und ich rede daher nicht mit Ihnen." Christian Meyer, Vorstandsmitglied der Stiftung Leopold, sagte, der Fall Popper sei in den Sitzungen nie besprochen worden.

Im Zusammenhang mit einer Klage, die Rudolf Leopold gegen den Standard einbrachte (das Verfahren läuft), gab der Museumsdirektor auf Lebenszeit eine eidesstattliche Erklärung ab. In dieser heißt es, er sei an einer "korrekten Abklärung derartiger Provenienzfragen interessiert". Daher würde "auch in Bezug auf die Sammlung Leopold eine gewissenhafte Provenienzforschung betrieben".

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