"Kleine Zeitung" Kommentar "Beziehungskisten" (von Ulrich Stocker)

Ausgabe vom 30.03.2001

Graz (OTS) - Wenn du ein Schauferl kriegst, brauche ich auch
eines, zürnen Kinder in der Sandkiste. Die handgreifliche Aufgeregtheit, die sich ergibt, ist oft schwer nachvollziehbar.

In der Politik geht es ähnlich zu. Der Nationalratspräsident wollte reden, deshalb hat der Bundesratspräsident eine Wortspende für sich reklamiert. Der ist aber ein Freiheitlicher aus Kärnten. Deshalb drohten die Grünen mit Boykott.

Die Sandkiste hat in diesem Fall einen heiklen Untergrund. Es geht um die Gedenkveranstaltung, die beide Häuser des Parlaments seit 1998 gemeinsam aus Anlass der Befreiung des KZ Mauthausen abhalten. Eingeladen sind auch Opfer der NS-Zeit.

Die Sitzung wurde vorerst abgesagt. Ob es sinnvoll ist, die FP weiterhin auszugrenzen, ist die eine Frage. Die andere besteht darin, dass ein Exodus einer Partei die Gäste mitreißen könnte und der Eklat perfekt wäre.

Während man noch um Kompromisse feilschte, hat Thomas Klestil das Schauferl übernommen. Er lädt nun in die Hofburg.

Das ist eine Watsche für das Parlament, aber auch eine Notbrücke in die Normalität, die uns derzeit abgeht. Trotz ihrer Beziehungskiste zum Bundespräsidenten sollte die Koalition darauf eingehen. ****

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