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Klagenfurt (OTS) - Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" Kommentar: Der kleine Wahlhelfer

Utl.: Ausgabe vom 29. März 2001=

Die Analyse seines eigenen Wahldebakels in Wien
ist mehr als bemerkenswert. Sie stimmt in fast allen Punkten, nur in einem sicher nicht. Jörg Haider war nicht nur ein kleiner "Wahlhelfer", wie er gestern beteuert, sondern Kandidat sowie Regierungs- und Parteirepräsentant in einem. Nichts, was er gestern gegen Regierung, eigene Partei, Experten oder sonst wen vorbrachte, wäre ohne Haiders kräftiges Zutun je möglich gewesen. Nicht die von Haider angeprangerte Herz- und Gefühllosigkeit der Politik, nicht der Einzug der Technokraten, die sich dem internationalen Währungsfonds und nicht den Menschen verantwortlich fühlen, nicht die Abtretung der politischen Verantwortung an Experten, nicht das Tempo der Reformen ("speed kills"), auf das vor vier Tagen doch alle noch so stolz waren.
Das alles ist keine Erfindung regierungsfeindlicher Geheimbünde, sondern genau jenes Koalitionsausschusses, dessen maßgebliches Mitglied nach wie vor der kleine "Wahlhelfer" aus Kärnten ist. Er soll also nicht überrascht tun, wenn er an der selbst verordneten Herzlosigkeit sogar im Wiener Gemeindebau - ja gerade dort -gescheitert ist.
Sich jetzt von den Technokraten in der Regierung zu distanzieren, mag ja verständlich sein, doch sie als die erste Wahl dort hingesetzt zu haben, ist allein des Wahlhelfers Verdienst. Er hatte aufs Tempo gesetzt, das die FPÖ jetzt drosseln soll. Wenn es Jörg Haider damit ernst ist, sollen er und die Regierung geschlossen dem "Verein zur Verzögerung der Zeit" beitreten. Das würde den Reformen und deren sozialer Verträglichkeit tatsächlich gut tun.

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