"Neue Zeit" Kommentar: "Glaskinn" (von Günther Gruber)

Ausgabe vom 29. 3. 2001

Graz (OTS) - Dass Jörg Haider immer ein besonderes Gespür für politische Stimmungslagen gehabt hat, bestätigten ihm selbst seine erbittertsten Gegner, auch wenn sie natürlich mit seinen Methoden, darauf zu reagieren, nicht einverstanden waren.
Stimmt diese Einschätzung, dann schaut es um die FPÖ noch viel schlechter aus, als es die zuletzt in Serie verlorenen Landtagswahlen mit Wien als Höhepunkt vermittelt haben.
Der jugendliche Sonnyboy, als "Jörg, der traut sich was" in den Neunzigerjahren zum politischen Shootingstar aufgestiegen, scheint zu bemerken, dass er als alternder einfacher Führer einer Regierungspartei rapide an Zugkraft verliert. Er weiß aber auch, dass die FPÖ eineinhalb Jahrzehnte lang ihre Wahlerfolge seiner Person zu verdanken hatte. Folge: Wenn Haider nicht mehr zieht, steckt der ganze Parteikarren im Dreck. Das hat ihm der Wiener Bürgermeister Michael Häupl so drastisch vor Augen geführt, dass er drei Tage brauchte, um den Schock einigermaßen zu verdauen.
Der nächste Schritt Jörg Haiders war ein folgerichtiger. Er ging auf Distanz zu seiner eigenen Partei ("...dann ist das nicht mehr meine Partei"), kritisierte die Regierung, die er gemacht hat, und zog sich verschnupft auf sein Amt als Kärntner Landeshauptmann zurück. Jörg Haider ist in die Boxersprache übersetzt ein "Schläger". Solche Boxer haben fast immer ein "Glaskinn", und dieses hat Michael Häupl am vergangenen Sonntag in Wien mit einer lupenreinen linken Geraden getroffen.

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