Temelin: CEZ zieht Klage gegen Greenpeace in Prag zurück

Probleme im Primärkühlkreislauf müssen in UVP behandelt werden

Wien/Prag (OTS) - Das Gerichtsverfahren gegen Greenpeace wegen Rufschädigung in Prag, das heute um neun Uhr beginnen sollte, findet nicht statt. Die staatliche Energiegesellschaft CEZ, die auch das AKW Temelin betreibt, hat die Klage in Höhe von umgerechnet 2 Mio. Schilling heute in letzter Minute ohne Angabe von Gründen zurückgezogen. Für Greenpeace hat es nun den Anschein, dass die Temelin-Betreiber Angst vor der Wahrheit haben. "Wir fordern Bundeskanzler Schüssel auf, Ministerpräsident Zeman darauf zu drängen, die gravierenden Probleme im Primärkühlkreislauf des Reaktors sofort in die UVP nach dem Melker Abkommen einzubeziehen", fordert Franko Petri, Pressesprecher von Greenpeace.

Greenpeace warnte im August 2000 vor einer möglichen Dokumentenfälschung in Zusammenhang mit gravierenden Sicherheitsproblemen im Reaktor von Temelin. Greenpeace hatte damals dringende Hinweise, dass ein Hauptrohr im Primärkühlkreislauf nicht ordnungsgemäß repariert wurde. Internationale Experten sagten zu diesem Zeitpunkt, dass dieser Mangel zu einem großen nuklearen Unfall und zu einer weitreichenden radioaktiven Verseuchung führen könnte. Um die Gefahr abzuwenden und um eine Untersuchung anzustrengen, erstattete Greenpeace damals Anzeige gegen Unbekannt. Die CEZ klagte daraufhin die Umweltorganisation.

Greenpeace stützt sich bei der Behauptung auf einen verlässlichen Zeugen, der aus Angst um seine Sicherheit nicht genannt werden wollte. Dieser hätte jedoch vor Gericht ausgesagt. Die polizeiliche Untersuchung in dieser Sache dauerte zwei Monate und wurde nach Aktivierung des Reaktors eingestellt. Die Untersuchung der staatlichen tschechischen Atomaufsichtsbehörde SUJB dauert bis heute ohne Ergebnis an.

Jiri Tutter, Direktor von Greenpeace Tschechien, kritisierte die Absicht der CEZ, das Prager Greenpeace-Büro durch eine Millionenklage in seiner Existenz zu gefährden. Tutter wörtlich: "Wir können nur darüber spekulieren, warum die CEZ heute ohne Angabe von Gründen die Klage in letzter Minute zurückzog. Ich glaube, dass das CEZ-Management endlich realisiert hat, dass unsere Hinweise wahr sind und dass in Temelin Fehler gemacht wurden, die die nukleare Sicherheit massiv beeinträchtigen". Greenpeace glaubt, dass die CEZ befürchtet, die Klage nicht gewinnen zu können und dass die Wahrheit in einem Prozess ans Licht käme. Greenpeace kritisiert auch die SUJB, weil trotz der laufenden Untersuchung in dieser Sache die Genehmigung zur Aktivierung des Reaktors erteilt wurde.

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