Kinderbetreuungsgeld: Teilzeit-Karenz hängt in der Luft

Linz (AKO) Was wird aus der Teilzeit-Karenz, wenn das Kinderbetreuungsgeld für alle kommt? Diese Frage ist derzeit noch völlig ungeklärt. Für Arbeitnehmerinnen mit etwas höherem Einkommen könnte sich die Teilzeit-Frage zu einem klassischen Dilemma entwickeln.

Ein Beispiel: Frau P. ist Bankangestellte und erwartet im Sommer ihr erstes Kind. Sie hatte ursprünglich geplant, bis zum ersten Lebensjahr des Kindes in Karenzurlaub zu gehen und dann bis zum dritten Lebensjahr des Kindes Teilzeit-Karenz in Anspruch zu nehmen.

So hätte sie ab dem Ende des Karenzurlaubs noch ein Jahr lang das halbe Karenzgeld zu ihrem Einkommen dazubekommen. Und sie hätte bis vier Wochen nach dem Ende des dritten Lebensjahres des Kindes Kündigungsschutz gehabt. So hatte sie es auch mit ihrem Dienstgeber besprochen. (Theoretisch hätte Frau P. auch zwei Jahre beim Kind zuhause bleiben können. Sie hätte dann eineinhalb Jahre lang das ganze Karenzgeld bekommen und hätte insgesamt zwei Jahre und vier Wochen Kündigungsschutz gehabt.)

Doch ab dem 1. 1. 2002 ist alles anders: Kündigungsschutz soll es nur mehr bis 24 Monate nach der Geburt geben. Und das Kinderbetreuungsgeld nur, wenn der Jahresverdienst unter 200.000 Schilling liegt.

Frau P. ist keine Großverdienerein, aber sie hat es in der Zwischenzeit auf ein Bruttoeinkommen von 26.000 Schilling monatlich gebracht, und das 16 mal im Jahr. Wenn sie ihre Arbeitszeit um die Hälfte reduziert, verdient sie trotzdem mehr als 200.000 Schilling im Jahr und verliert das Kinderbetreuungsgeld. Dass sie noch weniger Stunden arbeitet, kann sich ihr Dienstgeber nicht vorstellen. Denn im Betrieb ist es so geregelt, dass sich zwei Personen die Arbeitswoche aufteilen.

Für Frau P. wird somit das Kinderbetreuungsgeld auf 10 mal 6000 Schilling zusammenschmelzen, weil sie auch während des Bezugs von Wochengeld kein Kinderbetreuungsgeld bekommt. Die Alternative: Sie entscheidet sich doch dafür, längere Zeit ganz zu Hause zu bleiben. Dadurch verliert sie den Kontakt zum Arbeitsplatz, unter Umständen später sogar den Arbeitsplatz selbst. Dieses Dilemma firmiert dann im Sprachgebrauch der Kinderbetreuungsgeld-Betreiber unter "eigenverantwortliche Elternschaft".

Wir meinen: Gerade die Teilzeit-Karenz ist ein so wichtiger Schritt in Richtung bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Sie darf keinesfalls erschwert oder gar unmöglich gemacht werden.

Daten, Fakten:
rund 15 Prozent der Arbeitnehmerinnen und 40 Prozent der Arbeitnehmer in Oberösterreich verdienen mehr als 400.000 Schilling im Jahr
nur 4 Prozent der Bezieherinnen von Karenzgeld nutzen die Teilzeit-Karenz (kein Rechtsanspruch!)
unter den Männern, die in Karenz gehen, beträgt der Anteil der Teilzeit-Karenz-Nutzer allerdings 18 Prozent

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