"Neue Zeit" Kommentar: "Notfall" (von Litsa Kalaitzis)

Ausgabe vom 28. 3. 2001

Graz (OTS) - Übung macht den Meister, Bundeskanzler Schüssel beherrscht die Kunst, Bauchflecks als Erfolge darzustellen, schon ziemlich gut. Gestern zeigte er sich erfreut darüber, dass mit der vom Verfassungsgerichtshof erzwungenen Neuregelung der Ambulanzgebühr eine Entbürokratisierung gelungen sei. Von diesem Erfolg der in nur einer Woche zusammengebastelten Lösung haben freilich nur die Ärzte etwas.

Als Notfall gelten nur mehr Patienten, die stationär aufgenommen werden. Die Mediziner müssen sich also nicht mehr den Kopf darüber zerbrechen, ob man mit einem gebrochenen Finger nachts um drei ein Notfall ist oder nicht. Der Patient mit dem gebrochenen Finger hat dafür nach dem Spitalsbesuch neben einem Gips die Gewissheit, dass ihn dieser 250 Schilling kosten wird.

Für die Krankenkassen, denen mangelnder Sparwille in Sachen Verwaltung vorgeworfen wird, bedeutet die Neuregelung mehr Arbeit, weil im Gegensatz zur ursprünglich geplanten jährlich Abrechnung quartalsmäßig bilanziert werden soll.

Die zentrale Frage, was das außer der Benachteiligung der Patienten bringen soll, die das Pech haben, näher am Krankenhaus als beim diensthabenden praktischen Arzt zu leben, bleibt aber weiterhin offen - schließlich ändert die Neuregelung nichts an der Statistik, die besagt, dass nur rund fünf Prozent aller Ambulanzbesucher ohne ärztliche Überweisung kommen. Diese missglückte Notoperation zeigt nur eines: Dass diese Regierung keine Kritik duldet und ihren Willen durchsetzt. Zur Nachahmung empfohlen, lautet das wahre Signal dieser Wiener Wahl.

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