www.aerzte-ohne-grenzen.at

Am 27. März 2001 geht die neue Website von Ärzte ohne Grenzen online. - Mit aktuellen Infos aus der ganzen Welt und Briefen aus dem Einsatz der Österreicher. Mit Datenbank und Redaktionssystem, finanziell unterstützt durch die DATAKOM und message, da wir mit unseren Spendengeldern streng haushalten.

Wien (OTS) - Gestartet wird die neue Website in Österreich mit der ersten weltweiten Internet-Kampagne in der 30-jährigen Geschichte von Ärzte ohne Grenzen:

"Stellt die Klage ein!"

Der Hintergrund: 39 internationale Pharmafirmen haben die südafrikanische Regierung geklagt, weil sie den Menschen billigere AIDS-Medikamente zur Verfügung stellen will. Ärzte ohne Grenzen fordert eine sofortige Einstellung dieser Klage. Geht der Prozeß für die Pharmaindustrie positiv aus, ist dies ein großer Rückfall im weltweiten Kampf gegen AIDS und ein Präzedenzfall.

Der internationale Druck auf die Pharmafirmen wächst. So haben sich bereits zahlreiche hochrangige Politiker und das EU-Parlament in Straßburg deutlich gegen die Klage ausgesprochen.

Der Prozeß wird am 18. April weitergeführt. Bis dahin hofft Ärzte ohne Grenzen auf eine möglichst große Zahl von Unterschriften.

Bitte unterstützen auch Sie diese Aktion in Form von Berichten, einem Link auf unsere Website und Ihrer persönlichen Unterschrift auf der Adresse: www.aerzte-ohne-grenzen.at.

Weitere Informationen finden Sie in den folgenden Presseaussendungen sowie unter

www.aerzte-ohne-grenzen.at oder www.msf.org.
PRESSEAUSSENDUNG

AIDS-PROZESS SÜDAFRIKA: STELLT DIE KLAGE EIN!

Wien, 27. März 2001. Ärzte ohne Grenzen startet die erste internationale Internet-Kampagne in der 30jährigen Geschichte der Organisation. Hintergrund ist der große AIDS-Prozeß in Südafrika. 39 Pharmafirmen haben die Regierung geklagt, weil sie die Preise reduzieren und den Menschen billigere AIDS-Medikamente zur Verfügung stellen wollte. Südafrika hat die höchste AIDS-Rate der Welt, doch die meisten Patienten können sich die Medikamente nicht leisten. Seit Beginn des Prozesses sind allein 400.000 Menschen in Südafrika an AIDS gestorben. Geht der Prozeß für die Pharmaindustrie positiv aus, so ist dies ein großer Rückfall im weltweiten Kampf gegen AIDS und ein Präzedenzfall in der Geschichte. Der Prozeß ist bis 18. April vertagt. Bis dahin hofft Ärzte ohne Grenzen auf eine möglichst große Zahl von Unterstützern.

Bitte unterzeichnen auch Sie die Petition und geben Sie die Internet-Adresse weiter: www.aerzte-ohne-grenzen.at

Nelson Mandela unterzeichnete 1997 ein Gesetz, um den Zugang zu Medikamenten zu verbessern. Unmittelbar darauf leitete die pharmazeutische Industrie rechtliche Schritte ein, um dieses Gesetz zu blockieren. In den drei Jahren, in denen das Gesetz bei Gericht anhängig ist, sind schätzungsweise mehr als 400.000 Menschen in Südafrika an der Immunschwäche HIV/AIDS gestorben. Die meisten konnten sich eine angemessene medizinische Behandlung nicht leisten.

"Was in Südafrika passiert, erschüttert Menschen in der ganzen Welt. Denn es verdeutlicht, wie weit die Industrie geht, um ihre Profite und Patente zu schützen - ohne Rücksicht auf Menschenleben. Von Pretoria bis New York, von Kopenhagen bis Manila haben Demonstrationen stattgefunden, die Südafrika in seiner Forderung nach lebensrettenden Medikamenten unterstützen. Nun können sich ihnen Menschen in aller Welt anschließen, indem sie diese Petition bis zum 15. April unterzeichnen", erklärt Ellen t'Hoen, Koordinatorin der internationalen Kampagne von Ärzte ohne Grenzen.

Der internationale Druck auf die 39 Firmen, das Gerichtsverfahren einzustellen, wächst ständig. Dazu tragen auch Stellungnahmen hochrangiger Politiker bei, die Südafrika ihre Unterstützung zusagen. So verabschiedete das EU-Parlament in Straßburg am 15. März eine Dringlichkeitsentschließung, in der die 39 Pharmafirmen aufgerufen werden, die Klage einzustellen.

Die Petition von Ärzte ohne Grenzen ruft die 39 Firmen dazu auf, ihre Klage fallen zu lassen. Darüber hinaus werden die Regierungen der Industrienationen aufgefordert, Südafrika in seinem Vorhaben zu unterstützen, den Zugang zu Medikamenten zu verbessern.

Die Petition ist ab 27. März auf der neuen Website von Ärzte ohne Grenzen Österreich unter der Adresse www.aerzte-ohne-grenzen.at im Internet zugänglich.

PETITION SÜDAFRIKA

Menschenleben sind wichtiger als wirtschaftlicher Profit!

Stellt die Klage ein!
Wir, die Unterzeichner dieser Petition, unterstützen die südafrikanische Regierung in ihrem Bemühen, durch das 1998 verabschiedete Medikamentengesetz unentbehrliche Medikamente für ihre Bürger zugänglich zu machen. Aus diesem Grund fordern wir die 39 pharmazeutischen Unternehmen auf, die die Implementierung dieses Gesetzes durch ein Gerichtsverfahren blockieren, ihre Klage unverzüglich fallen zu lassen.

In Südafrika sind mehr als vier Millionen Menschen HIV-infiziert; das Land hat die höchste HIV/AIDS-Rate weltweit. Nur wenige Menschen können sich eine Behandlung leisten, die in Industrieländern das Leben von HIV/AIDS-Patienten verbessert und verlängert. Seit 1998 hat die Arzneimittelindustrie die Bemühungen der südafrikanischen Regierung blockiert, die Möglichkeiten ihrer Gesetzgebung im medizinischen Bereich auszuschöpfen. Sie begründet ihr Vorgehen damit, dass Patentrechte verletzt würden. In Südafrika sind in diesen drei Jahren bereits ca. 400.000 Menschen an AIDS gestorben.

Wir fordern die 39 Pharma-Firmen auf, unverzüglich und bedingungslos ihre Klage fallen zu lassen. Darüber hinaus rufen wir die Regierungen anderer Staaten auf, die Bevölkerung Südafrikas zu unterstützen, indem sie an die Firmen appellieren, den Prozess zu beenden.

Helfen Sie mit Ihrer Unterschrift, und geben Sie diese Nachricht auch an Freunde und Bekannte weiter (hyperlink).

Ärzte ohne Grenzen wird Ihre Unterschrift* den 39 Firmen übermitteln, denn:

Das Leben von Menschen ist wichtiger als wirtschaftlicher Profit und Patentschutz!

* Ärzte ohne Grenzen wird lediglich Ihren Namen und Ihren Wohnsitz weiterleiten. Ihre Email-Adresse wird weder weitergegeben noch veröffentlicht.

Hintergrundinformation

AIDS-Prozess in Südafrika

Ab dem 18. April wird vor dem Obersten Gerichtshof in Pretoria ein Prozeß fortgesetzt. Es ist ein Präzedenzfall für den weltweiten Kampf gegen AIDS. Dabei wird über das Recht ärmerer Menschen auf lebensnotwendige Medikamente entschieden. Das Urteil wird zeigen, ob das Gericht wirtschaftlichem Profit eine größere Bedeutung zukommen lässt als Menschenleben.

1997 verabschiedete die südafrikanische Regierung ein Gesetz, das einen preisgünstigeren Zugang zu Medikamenten ermöglichen sollte. Dies sollte durch den Import günstigerer Medikamente und den Einsatz von Generika ermöglicht werden.

Die Umsetzung dieses Gesetzes wird seit 1998 von 39 Pharmafirmen blockiert, u.a. mit dem Argument, es entspräche nicht den internationalen Verpflichtungen, die Südafrika als Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO) habe. Dies ist jedoch nicht der Fall:
Das TRIPS-Abkommen der WTO sieht in gewissen Fällen explizit Mechanismen wie Parallelimporte und Produktion von Generika zum Schutz der öffentlichen Gesundheit vor.

In Südafrika ist jeder fünfte Erwachsene mit HIV/Aids infiziert, die nötigen Medikamente sind aber für die Betroffenen zu teuer.

Viele der Patienten, die jeden Tag in die AIDS-Klinik von Ärzte ohne Grenzen in der Nähe von Kapstadt kommen, suchen Hilfe. Aufgrund der hohen Medikamentenpreise können die Mitarbeiter vor Ort allerdings nur wenige Patienten behandeln. Gleichzeitig gibt es in anderen Staaten günstigere Arzneimittel, die zur Zeit nicht nach Südafrika importiert werden dürfen.

Ärzte ohne Grenzen bittet Sie, die Südafrika-Petition unterschreiben. Helfen Sie den Menschen vor Ort, damit sie endlich mit Arzneimitteln behandelt werden können, die auch bezahlbar sind. Ihre Unterschrift schickt eine klare Botschaft an Pharma-Firmen und Regierungen: Das Leben von Menschen ist wichtiger als wirtschaftlicher Profit!

Liste der 39 Pharmafirmen

Folgende Pharmafirmen klagen gegen die Republik Südafrika und blockieren so das Gesetz für billigere AIDS-Medikamente:

The Pharmaceutical Manufacturers' Association of South Africa Alcon Laboratories (S.A.) (Proprietary) Limited
Bayer (Proprietary) Limited
Bristol-Myers Squibb (Proprietary) Limited
Byk Madaus (Proprietary) Limited
Eli Lilly (South Africa) (Proprietary) Limited
Glaxo Wellcome (South Africa) (Proprietary) Limited
Hoechst Marion Roussel Limited
Ingelheim Pharmaceuticals (Proprietary) Limited
Janssen-Cilag Pharmaceutica (Proprietary) Limited
Knoll Pharmaceuticals South Africa (Proprietary) Limited
Lundbeck South Africa (Proprietary) Limited
Merck (Proprietary) Limited
MSD (Proprietary) Limited
Novartis South Africa (Proprietary) Limited
Novo Nordisk (Proprietary) Limited
Pharmacia & Upjohn (Proprietary) Limited
Rhone-Poulenc Rorer South Africa (Proprietary) Limited
Roche Products (Proprietary) Limited
Schering (Proprietary) Limited
Schering-Plough (Proprietary) Limited
S.A. Scientific Pharmaceuticals (Proprietary) Limited
SmithKline Beecham Pharmaceuticals (Proprietary) Limited Universal Pharmaceuticals (Proprietary) Limited
Wyeth (Proprietary) Limited
Xixia Pharmaceuticals (Proprietary) Limited
Zeneca South Africa (Proprietary) Limited
Bayer AG
Boehringer-Ingelheim International GmbH
Boehringer-Ingelheim KG
Bristol-Myers Squibb Company
Byk Gulden Lomberg Chemische Fabrik GmbH
Dr. Karl Thomae GmbH
Eli Lilly and Company
F. Hoffman-La Roche AG
Merck KGaA
Merck & Co., Inc.
Rhone-Poulenc Rorer S.A.
SmithKline Beecham

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