"147 Rat auf Draht" - gleichbleibend stark frequentiert:

Jahresbericht der Kinder- und Jugendnotrufnummer des ORF

Wien (OTS) - Im Jahr 2000 verzeichnete die Kinder- und Jugend-Notrufnummer des ORF "147 - Rat auf Draht" 1.082.744 Anrufe. Die Anrufe kamen aus allen Bundesländern. Das ist eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr von mehr als 50 Prozent (1999 waren es 474.096 Anrufe). Die meisten Anrufe wurden im Jänner 2000 verzeichnet (102.986), die wenigsten im November (82.639). Von den mehr als eine Million Anrufern im Vorjahr kam es in 264.535 Fällen zum Kontakt mit einem Berater. 2.593 Gespräche wurden mit "Stammkunden" geführt, jenen Anrufern, für die die Schwelle für einen persönlichen Kontakt mit einer Beratungsstelle noch zu hoch ist. Diese Zahlen machen "Rat auf Draht" zur meistfrequentierten Notrufnummer Österreichs - ein Beweis für das große Vertrauen der jungen Anrufer aus allen österreichischen Bundesländern.

Hinter dieser Statistik stehen mehr als Zahlen und Fakten - dahinter stehen Schulprobleme, Probleme mit Eltern, Freunden, Liebeskummer, Vereinsamung, Ablehnung, Aggression bis hin zu psychischer und physischer Gewalt, die von immer mehr Kindern und Jugendlichen artikuliert werden. Der präventive Charakter von "147 - Rat auf Draht" - einer kostenlosen, anonymen und österreichweiten Hotline, die rund um die Uhr besetzt ist - zeigt sich besonders in den Fällen, in denen die geschulten Mitarbeiter helfen, Selbstmorde zu verhindern und immer mehr "Ausreißer" im Gespräch überzeugt werden können, dass "von zu Hause weglaufen" nicht die Lösung ihrer Probleme ist.

Die permanente Besetzung der Notrufnummer ist wichtig, da Krisen Jugendlicher gerade am Abend, in der Nacht und den Morgenstunden akut werden. Auffällig ist auch, das im Schnitt mehr Mädchen als Buben die Hilfe der niederschwelligen Telefonberatung in Anspruch nehmen. Das war auch anlässlich eines Projekts zu sehen, als jeweils eine Beraterin und ein Berater eine Stunde lang zwei gemischte Schulklassen besuchten, um ihnen die Notrufnummer vorzustellen: Die Buben versuchten, Problematisches auf witzige Weise zu lösen, die Mädchen sprachen noch in der Pause nach der Stunde mit der Beraterin am Gang weiter.

Was die Schule betrifft, unterscheiden sich die Probleme von Mädchen und Burschen ebenfalls: 55,84 Prozent der Mädchen thematisieren Prüfungsangst, 64,97 Prozent der Burschen Gewalt in der Schule. Oft bedingt der Schulfrust auch, dass die Berater von "147 - Rat auf Draht" nach Schulschluss zu regelrechten "Blitzableitern" aggressiver Schüler werden. Immer häufiger werden die Berater mit dem Thema "Mobbing in der Schule" und dem damit verbundenen großen Leidensdruck der betroffenen jungen Anrufer konfrontiert. Akute Probleme treten naturgemäß in den Wochen vor der Zeugnisverteilung auf. Da bietet die Notrufnummer Fachberatungen und Kontakte mit Schulserviceeinrichtungen und schulpsychologischen Diensten an.

Das 17-köpfige interdisziplinäre Team von Psychologen, Psychotherapeuten, Pädagogen, Lebens- und Sozialberatern sowie ein Juristen steht den Kindern zur Verfügung und fungiert als Schaltstelle zu sämtlichen psychosozialen Einrichtungen, Fachberatungsstellen und anderen Notfallseinrichtungen. Wenn der Jugendliche es will, bietet man ihm auch eine Kontaktaufnahme mittels direkter telefonischer Verbindung oder Konferenzschaltung an. Bei Suizidgefahr kann es auch zu einer Zusammenarbeit mit Exekutive und Rettung kommen.

Die Topthemen sind nach wie vor Liebeskummer (16.783 Anrufe), Aufklärung (16.293) und Freundschaft (7.302), gefolgt von Schwangerschaft, Probleme mit Eltern, das erste Mal, Homosexualität, Scheidung etc. Physische Gewalt in der Familie lag mit 1.056 Anrufern im Mittelfeld, aber auch zum Thema sexueller Missbrauch führten die Berater 539 Gespräche. Zu diesem Thema beträgt die Zahl der weiblichen Anrufer das Vierfache der Anzahl der männlichen Anrufer. Es ist ganz offensichtlich so, dass die Themen "Opfer sein" und "über Probleme sprechen" weniger dem männlichen Rollenbild entsprechen und daher abgewehrt werden. Seit Herbst 2000 ist "147 - Rat auf Draht" Mitglied im "Wiener Netzwerk gegen sexuelle Gewalt an Mädchen und Buben".

Ein weiteres wichtiges Thema, das ebenfalls verstärkt Mädchen interessiert (65,57 Prozent gegenüber 33,37 Prozent Buben) ist das der Gesundheit. In diesem Problemfeld rangieren "Essstörungen" an dritter Stelle (94,70 Prozent sind Mädchen): Oft sind die Anruferinnen mit ihrer Figur unzufrieden und wollen abnehmen. Meist stellt sich im Gespräch heraus, dass diese Mädchen bereits untergewichtig sind.

Neben den Beratungsgesprächen ist "147 - Rat auf Draht" auch Anlaufstelle für junge Menschen, die einfach "nur" mit jemandem reden wollen, der für sie Zeit hat, sie ernst nimmt und ihnen zuhört, da trotz des Zeitalters der Kommunikation scheinbar immer weniger Gesprächspartner zur Verfügung stehen. Es gibt noch andere Versuche der Kontaktaufnahme, die für ein niederschwelliges Beratungsangebot typisch sind: Manche der Kids kommen zum Berater durch, melden sich aber nicht, manche versuchen durch Scherze ihre echten Probleme zu verdecken, manche bauen aufgestaute Energien ab ("Blitzableiter"), manche versuchen, den Berater zu erniedrigen, um Grenzen auszutesten.

Die Mitarbeiter von "147 - Rat auf Draht" übernehmen mit ihrer Tätigkeit Aufgaben und Schutzfunktionen in der Gesellschaft. Als Instanz der Erwachsenenwelt begleiten sie die Jugendlichen in der Entwicklungsphase zur Selbstständigkeit.

"147 - Rat auf Draht" wird vom Bundesministerium für Inneres, dem Bundesministerium für soziale Sicherheit und Generationen, der Stadt Wien und Telekom Austria unterstützt. Die E-Mail-Adresse lautet »rataufdraht@orf.at«.

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