"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Absolute Fragen" (von Stefan Kappacher)

Ausgabe vom 27. 3. 2001¶

Innsbruck (OTS) - Was immer der FPÖ-Altobmann heute zu seinem ganz persönlichen Debakel als Kärntner Landeshauptmann bei der Wiener Wahl sagen wird: Dieser Wahlausgang lässt sich nicht klein reden, da liegt einfach ein zu großer Haufen Steine auf dem schwarz-blauen Weg. Erste irritierte Wortmeldungen aus der zweiten FPÖ-Reihe sind ja schon laut geworden. Da kann sich ÖVP-Klubobmann Khol noch so rührend daran klammern, dass Jörg Haider seine "Schmerzgrenze von unter 20 Prozent" gerade einmal um 0,2 Prozent punkte verfehlt hat.

Das Wien-Ergebnis ist ein harter Brocken für die Koalition, weil es ganz offensichtlich die Rechnung für eine Sparpolitik mit ehrlichem Anstrich ist, die aber leider voller Winkelzüge steckt. Dem kleinen Mann wollte nicht einleuchten, warum die Bundesreg ierung Belastungen beschließt, die nicht einmal in ihren eigenen Reihen immer verstanden werden. Wien war aber auch die Rechnung für dreiste und folgenschwere Grenzüberschreitungen sowohl Haiders als auch seiner Koalitionspartner, die ihn nicht nur nicht in die Schranken weisen, sondern auch noch als argumentatives Alibi für Haider herhalten müssen.

Deshalb wird das "neue Regieren" noch um einiges schwieriger werden, als es schon ist. Die Freiheitlichen müssten spätestens jetzt erkennen, dass Regierungsämter mit Radikalopposition nicht vereinbar sind. Doch das wissen allenfalls die FPÖ-Minister; einem in der Wiener Partei immer noch fest im Sattel sitzenden Hilmar "Hump-Dump" Kabas wird man es vergeblich erklären. Das gilt auch für Jörg Haider. Aber vielleicht hat ihm sein Wiener Waterloo ja die Augen geöffnet.

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