"Neue Zeit" Kommentar: "Einleuchtend" (von Josef Riedler)

Ausgabe vom 24. 3. 2001

Graz (OTS) - Am Tag vor einer Wahl Prognosen zu stellen ist immer ein mutiges Unterfangen. Am Tag drauf kann man zu leicht Spott und Hohn ernten. Nehmen wir aber dieses Risiko auf uns, lassen wir es auf einen Versuch ankommen.

Morgen wählt Wien, die Bundeshauptstadt und zugleich das bevölkerungsreichste Bundesland den Gemeinderat und den Landtag in einem. Nicht von der Bevölkerung wird der Bürgermeister gewählt. Einen sicheren Tipp kann man dennoch abgeben: Wie nach jeder Gemeinderatswahl seit 1920 wird der neue Gemeinderat einen Sozialdemokraten zum Bürgermeister machen und Häupl wird er wieder heißen.

Bis 1991 hatten die Sozialdemokraten immer die absolute Mehrheit in Wien. Aber schon seit 1973 verlor die Wiener SPÖ Stimmen. Ein wirklich schlechtes Wahlergebnis kassierte sie aber erst 1996 mit 39,2 Prozent. Gewissermaßen ist aber gerade das eine Chance:
Wahrscheinlich hat die SPÖ in Wien die Talsohle hinter sich. Weiter runter wird es nicht gehen. Einen Abwärtstrend zu stoppen, das ist sicher ein Erfolg. Einen beachtlichen Erfolg werden, auch die Prognose kann gewagt werden, die Grünen erzielen. Die ÖVP, die in Wien alles vermieden hat, wofür sie von Schüssel oder Haider hätte gescholten werden können, wird folgerichtig dort sitzen bleiben wo sie war. Und die Hump-Dump-Dreck-am-Stecken-Partei wird den Weg einschlagen, den sie seit den Nationalratswahlen überall gegangen ist: Den Weg nach unten. Demokratie ist, so wird man morgen abend feststellen, eine recht einleuchtende Sache.

Rückfragenhinweis: Neue Zeit
Tel.: 0316/2808-306

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PNZ/OTS