OeNB: Enge Einbindung in die Bankenaufsicht von zentraler Bedeutung

Wien (OTS) - A C H T U N G S P E R R F R I S T 11.00 U H R

"Die Erfahrungen mit internationalen Finanzkrisen der
letzten Jahre zeigen die zentrale Bedeutung der engen Einbindung der Zentralbank in die Bankenaufsicht", betonte der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank, Dr. Klaus Liebscher, im Rahmen einer vom Finanzministerium organisierten Podiumsdiskussion am 21. März 2001.
Liebscher unterstrich dabei die im EG-Vertrag verankerte Verantwortung der Zentralbanken und somit auch der Oesterreichischen Nationalbank für die Wahrung der Finanzmarktstabilität. Nur durch die Nähe zu den Geschäftsbanken, z.B. durch Vor-Ort-Prüfungen im Rahmen der Bankenaufsicht, und die Betrachtung des Gesamtsystems kann diese Aufgabe optimal erfüllt werden. Die Verantwortung bezüglich der Finanzmarktstabilität beginne nicht erst im Krisenfall, sondern der Fokus müsse auf der Krisenvorbeugung liegen. Insofern sei für die betreffende Notenbank der direkte Zugang zu Informationen aus erster Hand über die systemrelevanten Kreditinstitute von großer Bedeutung. Ist die Zentralbank für die Bankenaufsicht zuständig oder an ihr maßgeblich beteiligt, sei das Problem der Verfügbarkeit von Informationen aus erster Hand gelöst.
Der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank hob hervor, dass die Vollintegration der Bankenaufsichtsagenden in die OeNB die bei weitem effizienteste und kostengünstigste Reformvariante darstelle, weil dadurch Doppelgleisigkeiten und Synergieverluste vermieden werden können. Aufgaben, die im Rahmen der Sicherung der Finanzmarktstabilität von der OeNB zu erfüllen sind, können gleichzeitig für die Anforderungen der Bankenaufsicht genutzt werden. Im Falle der Errichtung einer eigenen Behörde für die Bankenaufsicht muss aus Sicht der OeNB die Weisungsfreiheit gewährleistet sein. Dies ergibt sich aus den Grundprinzipien des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht betreffend die operationale Unabhängigkeit und die adäquate Ressourcenausstattung der Bankenaufsicht.
Gouverneur Liebscher strich die aufgrund der grenzüberschreitenden Tätigkeit von Finanzinstituten immer wichtiger werdende internationale Kooperation der Aufsichtsbehörden hervor. Das enge Verbindungsnetz der nationalen Zentralbanken im Rahmen des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB) und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) stelle hierfür einen idealen institutionellen Rahmen dar.

Abschließend wies Liebscher auf die großen Herausforderungen der Bankenaufsicht im Zusammenhang mit den neuen Eigenmittelvorschriften (Basel II) hin. Die Umsetzung dieser neuen Vorschriften, die bis 2004 abgeschlossen sein muss, bedarf gewaltiger Kraftanstrengungen erfahrener Experten und erfordert darüber hinaus einen deutlich höheren Ressourceneinsatz. Aufgrund der hohen Anzahl von Kreditinstituten in Österreich kommen auf einen Mitarbeiter in der Bankenaufsicht in Österreich derzeit 10 zu prüfende Banken, während der europäische Durchschnitt bei 2 Banken pro Mitarbeiter liege. Die Überprüfung der Einhaltung der neuen Eigenmittelvorschriften (Basel II) wird eine Ausweitung um zumindest 100 Mitarbeiter für die Bankenaufsicht notwendig machen.

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