"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Zukunftshilfe statt Militärhilfe

Ausgabe vom 20.03.2001

Auf dem Balkan steigen wieder die Rauchsäulen auf. Da wird in Brand gesetzt, da wird geschossen. Kriegsangst, Bürgerkriegsangst, geht um. Noch ist der Konflikt von eher lokaler Dimension, doch niemand kann einen Flächenbrand ausschließen. Es wird gedroht, es wird beschwichtigt. Und was wird da eigentlich gewollt? So recht weiß das offenbar niemand. Da wird zwar schon Krieg geführt, doch mit welchem Ziel hat keiner noch gesagt.

Genau das aber bestätigt eher die positive Einsicht, dass auch auf dem Balkan die Zeiten vorbei sind, in denen man politische Ziele mit militärischen Mitteln erreichen konnte. Deshalb sieht auch Wolfgang Petritsch (Hoher Repräsentant für Bosnien) in den gegenwärtigen Auseinandersetzungen in Mazedonien eher ein "letztes Nachbeben des Kosovo-Konfliktes".

Doch auch Nachbeben können Schadenbeben sein. Dann nämlich, wenn sie das provisorische wieder errichtete Haus derart beschädigen, dass der Wille zum Neubau einer endgültigen Frustration weicht. Dann aber ist das militärische Mittel selbst schon das alleinige politische Ziel. Und genau danach sieht es an der Grenze zwischen dem Kosovo und Mazedonien aus.

Hier "rebelliert" kein "unterdrücktes" Volk, sondern ein vom Frieden enttäuschtes. "Kriegsdienst" als Selbstbefreiung aus der Frustration. Und die einzigen Nutznießer bleiben dabei die Schieber, Waffen-, Drogen- und Mädchenhändler. Nicht Militärhilfe, sondern einzig Zukunftshilfe ist vonnöten.

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