DER STANDARD-Kommentar: "Kurzes Gedächtnis" (von Harald Fidler) - Erscheinungstag 20.3.2001

Wien (OTS) - Wenn die Mediensprecher und Noch-ORF-Kuratoren Josef Cap (SPÖ) und Stefan Schennach (Grüne) über die ORF-Reform der Regierung wettern, haben sie über weite Strecken Recht mit ihren Befürchtungen. Natürlich wäre es blauäugig, von einem Abschied der Politik auf dem Küniglberg auszugehen, nur weil Politiker nicht mehr selbst im Kuratorium sitzen. Originell nur, dass Cap just jetzt einfällt, man möge doch nur noch eine Minderheit mit Politikern besetzen, die Mehrheit aber mit Journalisten, Betriebsräten und Publikumsvertretern. Auf die Idee kam er bis Februar 2000 nicht, als die SPÖ ihre Mehrheit im Kuratorium verlor. Damals blockierte man noch monatelang etwa die Bestellung von Kuratoren, damit genug Zeit zum Poker um SP- und VP-Sitze blieb.

Natürlich haben die beiden auch Recht, wenn sie eine Sondersitzung des Kuratoriums verlangen. Diskutieren muss man tief greifende Änderungen an einem so zentralen Medienunternehmen möglichst breit. Und die Opposition berücksichtigen.

Dass Cap und Schennach nun aber etwa den "Weisenrat" als Zerstörer des ORF brandmarken, ist lächerlich. Nur weil sie Zweifel an der Vereinbarkeit von öffentlich-rechtlichem Status und privatem Programm äußern, werden Altgeneralintendant Gerd Bacher und seine Kollegen zu ORF-Killern. Die den Boden für "den Einmarsch deutscher Mediengiganten" (Cap) aufbereiten. Mehr internationale Programmware als ORF 1 könnten die auch nicht abspielen. Und: Hätte die SPÖ schon seit 1988/89 solche Probleme mit deutschen Mediengiganten gehabt, dürfte es heute keine marktbeherrschende KroKuWAZ geben. Dass sich dieser Koloss laut Kartellgericht mit dem - auch von einem deutschen Mediengiganten dominierten - News-Konzern vermählen darf, fand Cap noch vor wenigen Wochen "korrekt".

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