"Neue Zeit" Kommentar: "Großer Wurf" (von Litsa Kalaitzis)

Ausgabe vom 20. 3. 2001

Graz (OTS) - Der "große Wurf", die "historische Wende", wie Bundeskanzler Wolfgang Schüssel das geplante, aber noch lange nicht beschlossene Kindergeld so gerne bezeichnet, besticht bis jetzt in erster Linie durch offene Fragen, die immer mehr werden. Darüber können auch die putzigen Babys nicht hinwegtäuschen, die ÖVP-Generalsekretärin Rauch-Kallat und Wirtschaftsminister Bartenstein gestern bei der Präsentation der neuesten christdemokratischen Forderung um sich gruppierten. Die geforderte höhere Zuverdienstgrenze und der Steuerfreibetrag, den die ÖVP für Besserverdiener mit Kindermädchen einführen wollen, ist zwar zugegebenerweise kein Schritt in Richtung "Frauen an den Herd", es gibt aber trotzdem mehrere Haken: Erstens muss das Geld dafür aufgetrieben werden, lehnte Sozialminister Haupt, der mit seinem Wunsch nach einer höheren Zuverdienstgrenze für alle an der Finanzierbarkeit gescheitert war, den Vorstoß des Koalitionspartners sofort ab. Zweitens impliziert die Forderung, dass ausgerechnet für die ÖVP, die sonst die Familie über alles andere zu stellen pflegt, die Mutter ersetzbar ist. Wie sonst ist die Begünstigung für Eltern mit angestellter Kinderbetreuungskraft zu verstehen? Abgesehen davon bedeuten diese Pläne natürlich eine Benachteiligung für jene Mütter, die sich keine Au-Pairs und Kinderschwestern leisten können. Setzt sich die ÖVP damit gegen die FPÖ durch, dann ist ihr ausnahmsweise wirklich ein "großer Wurf" gelungen - aber nur für ihre eigene Klientel.

Rückfragenhinweis: Neue Zeit, 0316/2808-306

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