Swoboda: Jeremy Rifkin erhält Bruno Kreisky-Preis für seine hervorragende Analyse des kapitalistischen Systems

Sima fordert Neuorientierung der Landwirtschaft

Wien (SK) "Jeremy Rifkins Buch 'Access - Das Verschwinden des Eigentums' ist eine hervorragende Analyse des kapitalistischen Systems. Es zeigt Chancen und Gefahren neuer Entwicklungen auf -daher hat die SPÖ-Bundesbildungsorganisation gemeinsam mit dem Renner-Institut beschlossen, den heurigen Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch Jeremy Rifkin zu übertragen", erklärte Hannes Swoboda, Vorsitzender der SPÖ-Bundesbildungsorganisation, am Montag bei einer Pressekonferenz gemeinsam mit dem US-Buchautor und der SPÖ-Umweltsprecherin Uli Sima. Sima bezog sich auf frühere Werke Rifkins, die sich mit dem Themenkreis Lebensmittelindustrie bzw. Gentechnik auseinandersetzen: "Dieses Thema hat nichts an Aktualität verloren. Eine der größten Krisen der Landwirtschaft, die noch nicht überwunden ist, machte klar, dass hier eine Neuorientierung fällig ist. Stattdessen gibt es jede Menge Lippenbekenntnisse." ****

"Erwerbbares Wissen und erwerbbare Fähigkeiten, aber auch Vernetzung" seien die relevanten Kategorien, die heute "nicht nur für das Wirtschaftssystem, sondern auch für die Gesellschaft entscheidend" seien, betonte Swoboda.

Für die Sozialdemokratie stelle sich daher die "Verteilungsfrage" -nicht zuletzt, ob Eigentum "privat oder kollektiv" zu organisieren sei - neu: "Es geht immer stärker um die Verteilung von Zugangsmöglichkeiten." Das biete aus "sozialdemokratischer Sicht Chancen, aber auch ungeheure Risken", stellte Swoboda klar.

Jeremy Rifkin betonte, wir befänden uns "in einem frühen Status der Geburt einer neuen Wirtschaftsordnung, die sich von der Marktwirtschaft unterscheidet". Neue Technologien - und hier insbesondere das Internet - erhöhten die Geschwindigkeit, verstärkten den Fluss und auch die Verbindungen des "kommerziellen Lebens". Rifkin: "Das markt-basierte kapitalistische System ist dafür zu langsam."

In dieser Situation stelle sich die Frage, "wie Gleichgewicht zwischen Kultur und globalem Handel" hergestellt werden könne. Die politische Rechte habe die wichtige Rolle der Kultur für Identitäten begriffen, um ihr Ziel kultureller Segregation zu erreichen. Entscheidend sei: "Ist Kultur ein Eigentum, das zu verteidigen ist -oder ein Geschenk, das man teilt?" Hier müsste die Linke ansetzen.

Swoboda warnte: "Selbstverwirklichung - hier und heute. Lust - nicht die Suche nach einer besseren Zukunft. Dabei besteht die Gefahr, dass eine apolitische und ahistorische Gesellschaftsschicht entsteht, auf die nun politische - rechte - Kräfte einwirken."

Wer die Selbstverwirklichung störe, werde "angegriffen", seien es Ausländer, sogenannte "Schmarotzer", "jüdische Immobilienhändler" oder die Europäische Union. So würden "individuelle Drehbücher" einerseits durch die politische Rechte, andererseits durch die "Vermarktung alles Kulturellen" bekämpft. "So wird verhindert, dass aus der individuellen Emanzipation eine gesellschaftliche werden kann", kritisierte der Vorsitzende der SPÖ-Bildungsorganisation.

"Die Rechte hat es leider früher erkannt, den jungen Menschen kulturelle Werte und soziale Bindungen zu offerieren", konstatierte Swoboda. Rifkin fordere mit seinem Werk ein, "Kulturpolitik stärker zu akzentuieren und auf die Notwendigkeit von Vielfalt hinzuweisen".

Sima: "Lebensmittelskandale haben in den letzten Jahren meist auf Futtermitteln beruht. In 60 bis 70 Prozent der heimischen Futtermittel findet sich gentechnisch verändertes Soja." Sima forderte einen "runden Tisch mit der Futtermittelindustrie, den Betroffenen und - wenn man das will - der Opposition".

"Einige wenige Konzerne" strebten über "Patente auf Leben" das Eigentum über die "Lebensgrundlagen" an, warnte die SPÖ-Umweltsprecherin. Die jüngst verabschiedete Patent-Richtlinie der Europäischen Kommission, "um die zehn bis zwölf Jahre gestritten wurde", wie Sima betonte, würde von den meisten EU-Ländern bewusst einstweilen nicht umgesetzt. Das gelte auch für Österreich, "wo das Gesetz derzeit auf Eis liegt und nach neuen Möglichkeiten gesucht wird", schloss Sima. (Schluss) me

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