New Economy: Die eleganten Pleitiers von Peter Muzik Kommentar: 17.3.2001

Wien (OTS) - Die Pleite der Internet-Quetschen billigerkaufen.com ist für Francis Lustig alles andere als lustig: Der frühere Boss von Kapital & Wert ist an dem windigen Unternehmen nämlich beteiligt. Und ist prompt ebenso ins Gerede geraten wie etwa die beiden Geschäftsführer der Schrack BusinessCom AG, Stefan Gubi und Franz Semmernegg, oder Kapital & Wert-Chef Johann Mantler. Auch sie wollten ihr Geld in die New Economy investieren. Lustig hat in einem Zeitungsinterview beklagt, dass er um seine Einlage von 100.000 Schilling umgefallen sei. Die Gläubiger wird das wohl nicht erschüttern, weil sie selbst weit mehr verlieren werden rund 40 Millionen Schilling. Die zahlreichen Insolvenzen im Bereich New Economy, die noch heuer fällig sind, werden unschwer auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen sein: In fast allen Fällen wird unseriöse Abzockerei im Spiel gewesen sein. In erster Linie dürfte es also unternehmerische Traumtänzer erwischen, die mit null Eigenkapital, d.h. mit praktisch null eigenem Risiko, ein Unternehmen auf die Beine gestellt und zumeist unrealistische, bisweilen groteske Ziele verfolgt haben. Solche Typen sind daran zu erkennen, dass sie übermässig viel G¹scheites daherschwafeln, in kürzester Zeit aber eine Menge Mist bauen und ungeniert sehr viel Geld aus fremden Taschen in den Sand setzen. Sobald ihre hochtrabenden Pläne platzen, der angestrebte Börsegang Illusion bleibt und gar nichts mehr geht, setzen sie halt ihre Mitarbeiter auf die Strasse, lassen die Gläubiger eiskalt einfahren und vertschüssen sich elegant in eine Pleite meist ohne Kratzer. Man wird sich künftig genau anschauen müssen, wer bei derartigen Abzocker-Partien aller mitmacht. Dabei wird es vermutlich nicht nur reine Gauner erwischen, sondern manche renommierte, als seriös geltende Unternehmer, die ihr Glück auf diese Tour versucht haben und einmal beim grossen Abstauben dabei sein wollten. Solchen ehrenwerten Herrschaften sollten ähnliche Fragen gestellt werden wie jetzt Francis Lustig & Co.: Warum sie denn nicht die fehlenden Millionen aus der eigenen Kassa nachschiessen, um Projekte zu retten, die sie erst kürzlich als grossartig propagierten. Und warum sie den Vorwurf auf sich sitzen lassen, bei obskuren Geldsammel-Aktionen junger Glücksritter mitgemischt zu haben, was sie letztlich ihren guten Ruf kosten kann. (Schluss) PM

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