"Der vorgelegte Entwurf des bm:bwk zu einer Dienstrechtsreform ist frauendiskriminierend", meint Univ.Prof. Dr. Gabriele Moser, Vizerektorin der Universität Wien

Wien (OTS) - Anlässlich einer Tagung zur Gender-Dimension der Unireform im Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur berichtet die Vizerektorin der Universität Wien, Univ. Prof. Dr. Gabriele Moser, über mögliche Konsequenzen des geplanten Dienstrechtes:

"Der vorgelegte Entwurf des bm:bwk zu einer Dienstrechtsreform ist frauendiskriminierend".

Gender mainstreaming bedeutet die Verpflichtung, jegliche Neuerung auf die geschlechtsspezifische Auswirkung hin zu überprüfen, um eine Diskriminierung von Frauen auszuschließen. In der Diskussion um die Dienstrechtsreform für HochschullehrerInnen wurde über diesen Aspekt noch nicht nachgedacht, obwohl die geplanten Neuregelungen Frauen massiver treffen werden als Männer, wie am Beispiel der Universität Wien gezeigt wird.

Derzeit befinden sich an der Universität Wien 1.076 Personen im zeitlich befristeten Dienstverhältnis, 384 davon - also 36 % - sind Frauen. Der Frauenanteil bei den AbsolventInnen ist ausgesprochen hoch: 63% derer, die ein Studium abschließen, sind Frauen, allerdings finden nur wenige den Einstieg in die wissenschaftliche Karriere, und Frauenanteile schwinden, je höher die Karriereleiter ist. Der Frauenanteil bei Habilitierten beträgt 17,1%, bei ProfessorInnen:
9,2%. Derzeit sind 32 % aller Wissenschafterinnen und 58 % aller Wissenschafter im unbefristeten Dienstverhältnis und unkündbar.

Würde der Reformentwurf wie vorgestellt umgesetzt, würden zwei Drittel aller Wissenschafterinnen und ein Drittel aller Wissenschafter an der Universität Wien ihre Stelle verlieren.

Die derzeitigen Nachwuchswissenschafterinnen, die laut Entwurf eine Chance bekommen sollen, würden im Laufe der nächsten Jahre entgegen ihrer Karriereplanung, auf die die Frauen mit Dienstantritt vertrauten, ihre Arbeit verlieren.

"Es haben mich unzählige E-mails und Anrufe von Frauen erreicht; die Auswirkungen des neuen Dienstrechtsentwurfes ist für viele, die oft erst nach langen Jahren einer Drittmittelfinanzierung oder Vertragsassistenzstelle endlich eine 'eigene', hart erkämpfte, derzeit noch befristete Planstelle errungen haben, katastrophal," so Vizerektorin Moser. "Ohne Übergangsregelung würden ab 2002 an der Universität Wien fast 200 Frauen, die derzeit im befristeten Dienstverhältnis sind, 'freigesetzt'. Eine Prüfung durch die interministerielle Arbeitgruppe für Gender mainstreaming müsste meines Erachtens ergeben, dass der vorgelegte Entwurf frauendiskriminierend ist und im Widerspruch zum bestehenden Frauenförderungsplan des bm:bwk steht."

Die Argumente, dass ja mehr Stellen, die derzeit von Männern besetzt werden, auch frei würden und daher Frauen wieder vermehrt die Chance für einen Einstieg gegeben würde, beruhen auf falschen Voraussetzungen. "Ohne Steuerungsmechanismus wie es z.B. ein budgetäres Anreiz- und Sanktionsmodell sein kann, wird keine wesentliche Anhebung des Frauenanteils bei Neueinstellungen erfolgen und es wird wohl eine Frage von Veränderung der Führungskultur sein, nicht länger zuzulassen, dass das wertvolle Potenzial der Frauen für die Wissenschaft und die Universität verloren geht ", so Moser.

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