Konsumenten sollen heimischen Lebensmitteln wieder mehr vertrauen können

Handel und Industrie fordern ein Ende der pauschalen Schuldzuweisungen und vertrauensfördernde Maßnahmen

Wien (PWK204) - "Es ist paradox. Lebensmittel waren noch nie so sicher wie heute, aber die Konsumenten sind so verunsichert wie noch nie", stellte Hannes Mraz, Geschäftsführer des Bundesgremiums des Lebensmittelhandels bei einer Podiumsdiskussion des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) anlässlich des European Consumer Day fest.

Österreich, so Mraz habe noch keinen einzigen BSE-Fall, stecke jedoch in einer tiefen Vertrauenskrise, vor allem was Fleischprodukte betrifft. Bauern, Gewerbe, Handel und Industrie werde abwechselnd der Schwarze Peter zugeschoben. Die Ursachen für diese tiefe Vertrauenskrise ortet Mraz nicht nur in der "sensationellen" Medienberichterstattung und verbalen Ausrutschern von Politikern, sondern auch in einer Veränderung im Denken der Menschen.

"Einerseits wollen Konsumenten immer mehr Informationen. Andererseits traut man der Wissenschaft immer weniger zu, die anstehenden Probleme zu lösen. Das wirkt sich natürlich auch auf den Lebensmittelsektor aus", so Mraz. Da offenbar das Gleichgewicht zwischen Ökonomie und Ökologie empfindlich gestört sei, müsse es nun das gemeinsame Ziel sein, wieder ein hohes Vertrauen in Lebensmittel als dem wichtigsten Wirtschaftsgut herzustellen. "Das gelingt aber nicht, wenn wir ständig auf neuen Regelungen und Paragraphen herumreiten. Die Veränderung muss in den Köpfen der Menschen stattfinden", sagte Mraz und forderte in diesem Zusammenhang nicht nur von Politikern und Medien eine gewisse Zurückhaltung, sondern auch eine klare Definition der Verantwortung, die jede einzelne Gruppe tragen müsse. "Neue Regelungen sind völlig wertlos, wenn sie weder praktikabel noch sanktionsfähig sind", so Mraz.

Ähnlich äußerte sich Michael Blass, Geschäftsführer des Fachverbandes der Nahrungs- und Genussmittelindustrie. "Es muss endlich Schluss sein mit pauschalen Verdächtigungen und Schuldzuweisungen. Dafür ist das Thema Lebensmittelsicherheit zu wichtig. Jetzt müssen sich alle Glieder der Lebensmittelkette öffnen und der kritischen Diskussion stellen". Blass wies darauf hin, dass die moderne Lebensmitteltechnologie, die Forschungen im Bereich der Ernährung, ein effizientes Prozess- und Qualitätsmanagement und nicht zuletzt das strenge Lebensmittelrecht ein Angebot an hochwertigen Lebensmitteln sichern, das einmalig in der Geschichte ist.

Blass beschreibt die Situation der einzelnen Akteure in der Lebensmittelkette wie folgt: "Eine stark reglementierte Landwirtschaft, die nicht nachfrageorientiert produzieren kann, trifft auf eine globalisierte Lebensmittelindustrie, die im harten Verdrängungswettbewerb steht. Diese wiederum liegt mit einem Lebensmittelhandel im Clinch, der erbittert um Marktanteile um Zehntelprozent-Bereich kämpft".

Angesichts dieser Situation sei ein sogenanntes "Chain Management" längst überfällig, das von allen Akteuren der Lebensmittelkette organisiert wird und Sanktionen einschließt. Damit könnten auch Schleuderpreise verhindert werden, die letztlich eine Wertlosigkeit der Produkte suggerieren. Um Lebensmittelsicherheit für den Kunden wieder glaubhaft erlebbar zu machen, bedarf es eines neuen, tragfähigen Wertegerüstes. "Nur dann können wir das zerstörte Vertrauen der Konsumenten wieder herstellen", schloss Blass. (MH)

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