Gewerbeverein: Sind Österreicher pflegebedürftiger oder Ärzte großzügiger?

Wien (OTS) - Dem soeben veröffentlichten deutschen Pflege-Bericht zufolge bezogen Ende 1999 rund 1,9 Millionen Deutsche Leistungen aus der gesetzlichen oder der privaten Pflegeversicherung. In Österreich gibt es zurzeit etwa 270.000 gesetzlich anerkannte Pflegebedürftige. Nimmt man den deutsch-österreichischen Umrechnungsfaktor 10:1 bezogen auf die Bevölkerung, dann hat Österreich um 42 Prozent mehr Pflegebedürftige als Deutschland. Diese Relation ist bemerkenswert.

1,35 Millionen deutsche Pflegebedürftige werden ambulant, 580.000 in Heimen betreut. In Österreich fließen etwa 80 Prozent des Pflegegeldes in den privaten Bereich, nur 20 Prozent geht an Organisationen mit angemeldeten Mitarbeitern. Auch dieser Vergleich ist bemerkenswert.

Die Deutschen zahlen für ihre - verglichen zu Österreich -bescheidene Anzahl von Pflegebedürftigen 1,7 Prozent der Lohnsumme, die Österreicher 0,8 Prozent (je die Hälfte der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer). Auch das ist bemerkenswert - legt es doch den Schluss nahe, dass die österreichischen Sozialversicherungsträger enorm besser wirtschaften, als ihre deutschen Kollegen. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich in der österreichischen Fertigkeit des "Umtopfens"; das heißt Geld wird für die Pflegeversicherung hierzulande aus anderen - zumeist von Arbeitgebern gespeisten Töpfen und Fonds finanziert.

Auch wenn es derzeit politisch nicht opportun ist, sich mit der Zukunft der Pflegeversicherung - vor allem ihrer künftigen Finanzierung - bei steigendem Pflegebedarf einer zunehmend alternden Bevölkerung zu beschäftigen, wird man darum nicht umhin kommen - so der Österreichische Gewerbeverein (ÖGV). Zuerst sollte man einmal die Doktrin überprüfen, ob es richtig sei, dass der Zweck des Pflegegeldes dem Pflegebedürftigen die Möglichkeit "verbessern" soll, ein selbstbestimmtes, bedürfnisorientiertes Leben zu führen. Das wird ja sonst nur mit dem neuen Kindergeld jungen Müttern und Vätern zuteil. Der Sozialdemokrat Oscar Lafontaine meinte einmal: "Die Pflegeversicherung soll nach dem Bedürftigkeitsprinzip laufen. Sie ist dort zu streichen, wenn sich jemand finanziell selbst helfen kann". Schwarz-Blau ist da wohl in Kontinuität zu Rot-Schwarz anderer Meinung.

Neu regieren - die Floskel, die man schon nicht mehr hören kann -heißt auch, sich mit Problemen proaktiv auseinanderzusetzen und nicht nur auf Zuruf, wenn uns der Bärentaler wieder einmal erklärt, was mit Unfallrenten zu geschehen hat.

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