Gusenbauer: Wettbewerbsfähigkeit fordert Investition in Bildung

Menschliche Ressourcen dürfen nicht vergeudet werden

Wien (SK) "Bildung darf nicht alleine Privatsache sein. Gerade in diesem Bereich muss die öffentliche Hand eine Rolle spielen", so der SPÖ-Bundesparteivorsitzende Alfred Gusenbauer gestern, Donnerstag, im Rahmen der Diskussion ‚Wer zahlt schafft an!‘. Ausgangspunkt für diese Veranstaltung im Renner Institut im Rahmen des Netzwerks Innovation war ein Memorandum der Europäischen Kommission zum Thema Lebenslanges Lernen. Ziel der Kommission ist es, auf den ständig wachsenden Stellenwert von Weiterbildung aufmerksam zu machen und die nationalen Regierungen zum Handeln aufzufordern. Moderiert wurde die Veranstaltung vom SPÖ-Delegationsleiter im europäischen Parlament, Hannes Swoboda. ****

"Die Herausforderung zum lebenslangen Lernen ergibt sich aus den Anforderungen der Wirtschaft", betonte Gusenbauer. Gerade auf Österreich sei der strukturelle Druck groß. Möchte man auch weiterhin wettbewerbsfähig bleiben, müsse man verstärkt in den Sektor Bildung investieren. Auch stünde man beim Thema Weiterbildung vor einem Gerechtigkeitsproblem. Man müsse sich die Frage stellen, ob es den wirklich gerecht sei, dass die Primärausbildung noch weitgehend gratis sei, während man für Weiterbildung zahlen müsse. Gerade die zunehmende Flexibilisierung der Arbeitsverhältnisse und das damit verbundene oftmalige wechseln des Arbeitsplatzes führe dazu, dass zahlreiche Menschen vom Bereich der betrieblichen Weiterbildung ausgeschlossen wären. Mit den Überschüssen der Arbeitslosenversicherung könnte diesen Menschen eine Weiterbildung angeboten werden.

Bei den neuen Technologien müsse die Diskussion viel weiter gehen als bisher. "Es geht nicht nur um die gut ausgebildeten IT-Kräfte", bemerkte Gusenbauer. In zahlreichen Berufen würde IT-Wissen in den nächsten Jahren als Sekundärfähigkeit gefordert sein. Wenn es um berufliche Fähigkeiten gehe, sei in Österreich ein stark utilitaristischer Zugang zu verzeichnen. Dies sei laut Gusenbauer zu kurz gegriffen und würde in eine Sackgasse führen. "Ein besonders begnadetes Mitglied der blau-schwarzen Regierung hat den Begriff Orchideenfächer geprägt", so der Parteivorsitzende in Anspielung auf FP-Finanzminister Grasser. Gerade im IT-Bereich sei jedoch auch Content gefragt. Den würden in Zukunft wahrscheinlich genau jene Absolventen der sogenannten Orchideenfächer zur Verfügung stellen. "Die Menschen haben nicht nur ein Recht auf Lernen, sondern auch ein Recht auf Bildung", bekräftigte Gusenbauer.

Natürlich könne man den momentanen Bedarf an Schlüsselkräften nicht ignorieren. In ganz Europa wäre ein Wettbewerb um gut ausgebildete Fachkräfte ausgebrochen. Nicht so seitens der österreichischen Regierung: "Das sind Ausländer und die sind artfremd. Die wollen wir nicht." Gusenbauer betonte, dass man den kurzfristigen Bedarf wahrscheinlich nur mit ausländischen Arbeitskräften decken könne. Allerdings müsse auch das österreichische Bildungssystem so konstruiert werden, dass flexibel auf Anforderungen reagiert werden könne. Eine besonderen Stellenwert hätten dabei Fachhochschulen und berufsbildende höhere Schulen.

"Wir müssen die Frage des Wettbewerbs ernst nehmen und die Menschen darauf vorbereiten", so Swoboda. "Weiterbildung ist ein wichtiges Thema für die Sozialdemokratie. Wir möchten unsere Konzepte und Ideen einbringen." Eine Grundforderung müsse sein, die beste Ausbildung allen Menschen Europas zugänglich zu machen. Positiv sei zu verzeichnen, dass die Bereitschaft zur Weiterbildung bei jungen Menschen massiv angestiegen sei. "Wir haben Angst, dass durch eine Engstirnigkeit der Regierung menschliche Ressourcen vergeudet werden", bemerkte der EU-Abgeordnete abschließend. (Schluss) sw

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