Natura 2000: Gefährdete Fledermäuse fallen durch das Netz

Studie zeigt: Natura 2000 in Österreich schützt bedrohte Fledermäuse nicht

Wien (OTS) - Alarmierend ist das Ergebnis einer jüngsten Studie über das Vorkommen der Fledermäuse in Österreich. Mehr als drei Viertel aller gefährdeten Fledermäuse werden vom aktuellen Natura 2000-Schutzgebietsnetz nicht erfasst, warnt Friederike Spitzenberger, Fledermausexpertin am Naturhistorischen Museum in Wien.

Acht Fledermausarten sind in Österreich "stark gefährdet" und gemäß EU-Naturschutzrecht zu schützen. Denn die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie verpflichtet auch Österreich, Gebiete mit größeren Beständen an bedrohten Fledermäusen für das Natura 2000-Netz nach Brüssel zu melden. Ziel ist es, ein europaweites Netz an Schutzgebieten aufzubauen, das auch gefährdeten Säugetierarten das Überleben sichert.

Friederike Spitzenberger, Säugetierexpertin am Naturhistorischen Museum in Wien, hat nun alle Vorkommen von gefährdeten Fledermäusen untersucht, die aus der Alpinen Region Österreichs bekannt sind. Die Expertin fand dabei 318 Winter- und Sommervorkommen, "deren Bestände so gut sind, dass ihr Lebensraum zwingend als Natura 2000-Gebiet nominiert werden muss". Das Erschreckende dabei: mehr als 80 Prozent dieser wertvollen Fledermaus-Lebensräume sind nicht vom Natura-2000-Netz erfasst. Nur magere 19 Prozent der Bestände leben in Gebieten, welche die Bundesländer bisher für das Netz an Schutzgebieten nach Brüssel gemeldet haben.

Die Fledermaus-Vorkommen sind in den Bundesländern sehr unterschiedlich durch Natura 2000-Gebiete erfasst und geschützt, zeigt die Spitzenberger-Studie. In Niederösterreich ist gut die Hälfte aller meldepflichtigen Vorkommen in Natura 2000 Gebieten enthalten; in der Steiermark sind es nur mehr fünf Prozent. Nicht ein Einziges der zehn bis sechzig schützenswerten Fledermausgebiete haben Kärnten, Oberösterreich, Tirol und Salzburg nach Brüssel gemeldet.

Die Fledermäuse sind damit die erste Tiergruppe, für die bundesweit untersucht wurde, ob ihre Lebensräume vom Natura-2000-Netz erfasst werden. Das ist aber kaum der Fall, so das Ergebnis der Studie. Damit wird die Forderung des Umweltdachverbandes bestätigt, auch andere Arten einer "nationalen Evaluierung" zu unterziehen, folgert Studienautorin Spitzenberger.

Der Umweltdachverband hat die Liste der Fledermausvorkommen, die für Natura 2000 gemeldet werden müssen, den zuständigen Bundesländern übermittelt. "Wir werden die Fledermausliste auch nach Brüssel schicken", erklärt Gerhard Heilingbrunner, Präsident Umweltdachverband.

Hinweis: Fledermaus-Foto und Säulen-Grafik gerne auf Anfrage.

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