Der Japan-Virus von Robert Lechner

Kommentar 15.3.2001

Wien (OTS) - Parallel zum globalen Ausbruch der Maul- und Klauenseuche besteht die Gefahr, dass die Weltwirtschaft noch in diesem Jahr vom Japan-Virus befallen wird. Für die ohnehin wegen der Rezessionsangst in den USA und der rückläufigen Konjunktur in Europa geschwächte globale Wirtschaft kommt die Zuspitzung der Krise in Japan zum ungünstigsten Zeitpunkt. Bestätigen sich die schlimmsten Befürchtungen, wonach die Vereinigten Staaten und Japan noch heuer in die Rezession stürzen, so wirkt sich das auf rund 50 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung negativ aus. Die Folgen für exportabhängige Länder wie Österreich wären deutlich spürbar. Tragisch ist, dass in den vergangenen zehn Jahren kein einziger japanischer Regierungschef das Ruder herumreissen konnte beziehungsweise wollte. Seit 1990 leidet die Japan AG unter gefährlichen Symptomen: Die Banken sitzen auf einem riesigen Berg fauler Kredite, die Unternehmen sind mit den Finanzinstituten gefährlich verhabert und Japans Beschäftigte sind zwar effizient, aber extrem unflexibel. Ein explosiver Cocktail aus versäumten Strukturreformen. Alle Versuche der Regierungen in Tokio, die Wirtschaft anzukurbeln, sind kläglich gescheitert. Nach dem zehnten Konjunkturpaket steht fest: Japan hat seit 1990 die unglaubliche Summe von 16.000 Milliarden Schilling in den Sand gesetzt. Die Mittel sind vor allem in Infrastrukturprojekte geflossen. Jetzt ist zwar fast ganz Japan zubetoniert und die Staatsschulden sind auf 140 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung geklettert, aber mit den Finanzspritzen wurde kein einziger Job in der Bauindustrie gesichert. Im Gegenteil: Es wurden Unternehmen am Leben erhalten, die längst reif für den Konkurs wären. Ein Ausweg aus der Krise ist derzeit nicht in Sicht. Erst zu Wochenbeginn hat Noch-Premier Yoshiro Mori mit Konjunkturpaket Nummer elf klar gemacht, dass er an der sinnlosen Ausgabenpolitik festhalten will. Die japanischen Wirtschaftsstrategen finden keinen Ausweg. Wegen der weiter steigenden Schulden sorgen sie nicht nur für schlechte Stimmung bei den eigenen Bürgern, sondern führen die Weltwirtschaft geradewegs an den Abgrund. Noch droht wegen Japan zwar kein Absturz, aber das globale BIP-Plus wird sich im Vergleich zum Vorjahr auf zwei Prozent halbieren. (Schluss) lech

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