Schiene drängt auf Kontinuität bei Investitionen Draxler: Schieneninfrastruktur weiter so ausbauen, wie es die Wissenschaftler fordern - Internationale Fachtagung in Wien

Wien (PWK197) Ein drastisches Absinken der Investitionen für die Schieneninfrastruktur in den nächsten Jahren befürchtet der Vorsteher des Fachverbandes der Schienenbahnen und ÖBB-Generaldirektor Dr. Helmut Draxler. Ein Unterschreiten der nötigen Investitionshöhe von jährlich neun bis elf Milliarden Schilling würde große volkswirtschaftliche Nachteile mit sich bringen. Er appelliere deshalb an die Politik, die Schiene in Österreich weiter so auszubauen, wie es auch unabhängige Wissenschaftler befürworten, sagte Draxler zum Abschluss einer Tagung zum Thema "Zukünftige Perspektiven der Eisenbahn in Österreich".

"Als Schiene wünschen wir uns mehr Kostenwahrheit. Tatsächlich wird der LKW in hohem Maße vom PKW quersubventioniert", betonte Draxler vor Journalisten. Bei knappen Budgetmitteln sei ein richtiger Einsatz der Investitionen besonders wichtig. Der Schienen-Fachverband werde sich deshalb dafür einsetzen, vor allem das zwölf Milliarden Schilling teure Projekt des Ausbaus der Bahnverbindung Wien-St.Pölten vorzuziehen. Die Finanzierung müsste durch Umschichtungen möglich sein.

Volkswirtschaftlich gesehen haben auch Investitionen in die Verbindung St.Pölten-Linz sowie in den Bahnhofsausbau, in den Knoten Linz, in den Pottendorfer Knoten sowie in den Laaberger-Tunnel einen sehr hohen Nutzwert. Die schlechtesten Kosten-Nutzenrelationen hätten hingegen das Koralmprojekt sowie das Unterinntal. Österreich brauche aber auch Investitionen in den Straßenbau. "Es rechnet sich beides", betonte der Fachverbandsvorsteher und ÖBB-Chef.

Im A-Netz (Hochleistungsnetz) der Bahn werden pro Jahr drei bis vier Milliarden Schilling benötigt. "Das ist nicht gesichert", erklärte Draxler.

Für die ÖBB ortet Draxler für das laufende Jahr eine Finanzierungslücke von 2,9 Milliarden Schilling. Schlecht schaue es für die kommenden Jahre bis 2005 aus: "Das bereitet uns echte Sorgen."

Christian Helmenstein vom Institut für Höhere Studien (IHS) verwies bei der Präsentation der von ihm mitverfassten Studie "Die gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Schieneninfrastruktur in Österreich" auf die seit Mitte der 80iger Jahre zu beobachtende "suboptimale Ausstattung mit Schienenverkehrsmaterial". Die anhaltende "Unterinvestition" werde, nicht zuletzt in Hinblick auf die Osterweiterung, tendenziell noch zunehmen. Als Folge dieser Entwicklung können sonst mögliche Wachstumspotenziale nicht realisiert werden. Helmenstein verwies darauf, dass eine zusätzliche Investition in die Schieneninfrastruktur in Höhe von einer Milliarde Schilling die gesamtwirtschaftlichen Kosten um 624 Millionen Schilling im ersten Jahr reduziert. In den Folgejahren verringert sich die Kostenersparnis, parallel zur Abschreibung der Investition, bringt insgesamt jedoch ein höheres Ergebnis als die Investition selbst. Unter diesem Gesichtspunkt waren die bisherigen Bahninvestitionen hoch rentabel, betonte der Experte. Das jährliche Invest-Erfordernis bezifferte er, ähnlich wie Draxler, mit 12 Milliarden Schilling.

Der Schweizer Verkehrsexperte Markus Maibach bewertete im Rahmen des heutigen Symposiums die Höhe der Staukosten mit - je nach Rechenansatz - 0,5 bis 3,7 Prozent des BIP. Bei den Durchschnittskosten liege die Schiene 4,4 mal niedriger als die Strasse. Eine verursachergerechte Anlastung dieser Kosten würde also vor allem den Straßenverkehr verteuern und die Wettbewerbsfähigkeit der Schiene verbessern.

Bei der am Mittwoch Vormittag im Haus der Wirtschaft abgehaltenen Tagung diskutierten mehr als 150 Experten aus ganz Europa auf Einladung der ÖBB und des Fachverbandes der Schienenbahnen über die zukünftigen Perspektiven der Eisenbahn in Österreich. Das Einleitungsreferat hielt Verkehrs- und Infrastrukturministerin Monika Forstinger. (hp)

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