Siemens-Börsengang in New York - ein Meilenstein des 10-Punkte-Programms Pierer: "Der US-Markt hat bei Siemens höchste Priorität. Das Geschäft in USA soll ein Juwel werden."

Wien/München (OTS) - Der Siemens-Konzern hat mit dem Börsengang in New York einen Meilenstein des 10-Punkte-Programms erreicht. Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Karl-Hermann Baumann, Vorstandsvorsitzender Dr. Heinrich v. Pierer und Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger eröffneten am Montag den Beginn des Handels an der größten Börse der Welt und kauften symbolisch die ersten 100 Wertpapiere. "Das Listing der Siemens-Aktie in New York ist angesichts der Globalität des Konzerns ein konsequenter Schritt", sagte Pierer. Das Unternehmen will mit der Notierung an der New York Stock Exchange die Bedeutung der USA für Siemens unterstreichen und eine zusätzliche Akquisitionswährung für mögliche Investitionen erhalten. Die Vereinigten Staaten sind der wichtigste Markt für Siemens mit Umsätzen von bald 25 Milliarden Dollar und etwa 90.000 Mitarbeitern. Siemens treibe dazu seine "top+ US Business Initiative" voran, um das US-Geschäft noch besser aufzustellen und die Profitabilität zu stärken. Die US-Aktivitäten des Konzerns müssen insgesamt wesentlich höhere Gewinne beisteuern als bisher. Pierer:
"Das US-Geschäft soll ein Juwel unserer weltweiten Aktivitäten werden."

Die Notierung der Siemens-Aktie an der New Yorker Börse ist für das Unternehmen ein Meilenstein des 10-Punkte-Programms. Im Sommer 1998 hatte der Konzern mit der Umsetzung eines Maßnahmenkataloges begonnen, der umwälzende Schritte beim Portfolio, bei Managementinstrumenten (Business-Excellence mit dem Programm top+) und bei Finanz- und Kapitalinstrumenten vorsah. Unterdessen ist das 10-Punkte-Programm bei Siemens fest implementiert und auf Dauer Basis für alle strategischen und Management-Aufgaben. Pierer: "Wir sind ein lebender Organismus und treiben den Wandel mit unseren bewährten Methoden weiter voran."

Pierer nannte den Börsengang einen "Höhepunkt" beim weiteren Ausbau des US-Geschäfts. Siemens sei in Amerika ein "amerikanisches Unternehmen" geworden mit mehr US-Mitarbeitern als Firmen wie Intel oder Cisco. Auf dem Gebiet der Elektronik und Elektrotechnik sei Siemens der größte ausländische Investor in den USA. Schon bald würde der Konzern in den Vereinigten Staaten einen Umsatz von 25 Milliarden Dollar realisieren und 90.000 Mitarbeiter beschäftigen. Im vergangenen Geschäftsjahr (1. Oktober 1999 bis 30. September 2000) erzielten die US-Gesellschaften des Konzerns mit rund 76.000 Beschäftigten Umsätze von gut 16 Milliarden Dollar - das entspricht 22 Prozent des Siemens-Weltumsatzes. Erstmals hatten die USA mit 18,5 Mrd. Dollar an Auftragseingängen höhere Werte zu verzeichnen als Deutschland. Siemens hat etwa 700 Standorte in den USA, davon fast 100 Produktionsstätten.

In wenigen Jahren werde die Rangfolge der wichtigsten Märkte für Siemens die USA vor Deutschland und vor China sein, so der Konzernchef. Derzeit würden 13 Prozent des Geschäftes in Asien generiert mit China als wichtigstem Markt, aus den USA stammten 22 Prozent, aus Deutschland 24 Prozent und aus Europa (ohne Deutschland) 31 Prozent. Siemens rechne zwar auch im Inlands- und im Europa-Geschäft mit weiterem Wachstum, aber die Anteile veränderten sich klar zugunsten Asiens und Amerikas. "Der Elektromarkt in den USA ist siebenmal größer als in Deutschland. Siemens muss auf diesem Markt in führender Rolle präsent sein, sonst wäre eine immense Chance vertan", sagte Pierer. Die USA seien außerdem eines der Kernländer für Innovationen, insbesondere auf den Gebieten der Telekommunikations- und Informationstechnologie. Siemens sei mit 7000 Patenten eine führende Größe der Forschung und Entwicklung in den USA. Die F&E-Ausgaben des Konzerns in den USA machen fast 800 Millionen Dollar aus.

Um das Geschäft noch besser aufzustellen und die Profitabilität zu stärken, wurde eine "top+ US Business Initiative" unter Leitung von Zentralvorstand Prof. Peter Pribilla, dem Chef der Holding-Gesellschaft Siemens Corporation, Gerhard Schulmeyer, und seinem Chief Operating Officer und designierten Nachfolger, Klaus Kleinfeld, entwickelt. Die Initiative hat zwei Stoßrichtungen: Zum einen solle das Portfolio der "Operating Companies" optimiert und die Performance gesteigert werden. Zum anderen solle die Siemens Corporation zusätzliche Querschnittsaufgaben wahrnehmen, um den Konzernverbund in den USA insgesamt noch schlagkräftiger zu machen:

  • Koordination bereichsübergreifender Geschäftsmöglichkeiten durch den systematischen Aufbau eines Corporate Account Managements. Im ersten Schritt werden 15 Großkunden zentral betreut. Für drei Gebiete
  • Flughäfen, Universitäten und Stadien - werden Gesamtlösungen aus einer Hand angeboten.

- Erhöhung des Bekanntheitsgrades sowie Verbesserung des Images der Marke Siemens.

- Koordination der Führungskräfteentwicklung und Aufbau einer gemeinsamen Rekrutierungs-Strategie.

- Aufbau und Realisierung von gemeinsamen Dienstleistungen für die Operating Companies, z.B. im Einkauf und Rechnungswesen.

- Optimale Verwertung und Nutzung des Immobilienvermögens.

- Koordination der E-Business-Aktivitäten der Operating Companies zur Transformation von Siemens in eine E-Company.

In einer einwöchigen Klausurtagung in den USA seien vom Siemens-Zentralvorstand über 100 Geschäftsfelder analysiert worden. Etwa drei Viertel gelten in den USA als bereits gut positioniert und haben beste Chancen, sich noch weiter zu verbessern. Besonders stark sei Siemens in den Arbeitsgebieten Power, Medical und Lighting. Große Fortschritte erzielt auch das Arbeitsgebiet Automation and Control, mit viel Zukunftspotential in der Fabrik- und Prozessautomatisierung, aber auch bei der Logistikautomatisierung und der Gebäudetechnologie. Auch Automotive und Transportation sind im US-Markt fest verankert. Immer mehr Boden gewinnt das Arbeitsgebiet Information and Communications.

Bei einem Viertel der Geschäfte habe sich dagegen herauskristallisiert, dass sie noch erhebliche Verbesserungspotentiale mobilisieren müssen, sagte Pierer. Dies erfordere entweder den Ausbau der Marktposition, um kritische Größen zu erreichen. In Einzelfällen könne aber auch der Rückzug aus dem Geschäft in Frage kommen. Bereits im kommenden Sommer werde eine erneute Zwischenbilanz gezogen. Für alle US-Aktivitäten gelte es, wesentlich höhere Gewinne beizusteuern.

Der Bedeutung des US-Geschäfts entsprechend wolle Siemens an der New York Stock Exchange vertreten sein. "Es ist ein Muss, an der größten Börse der Welt zu sein, da, wo auch die Wettbewerber sind", sagte Pierer. Außerdem verspreche sich der Konzern vom Listing eine zusätzliche Akquisitionswährung für mögliche Übernahmen oder für strategische Investments, die oft durch Aktien bezahlt würden.

Allein seit 1998 hat Siemens fast 8 Milliarden Dollar für Akquisitionen in den USA ausgegeben. Dazu gehören die Übernahme des fossilen Kraftwerksgeschäfts von Westing-house, die Käufe der Start-up-Gesellschaften, die unter dem Dach der Internettochter Unisphere gebündelt sind, des IT-Dienstleisters Entex, des medizinischen Dienstleisters Shared Medical Systems, des Ultraschallgeräte-Herstellers Acuson und in der Prozessautomatisierung Moore und Milltronics. Eingerechnet ist dabei auch die laufende Übernahmeofferte für Efficient Networks, ein Unternehmen, das die Technik für den schnellen Zugang ins Internet herstellt.

Siemens habe sich für die New York Stock Exchange (NYSE) und nicht für die Nasdaq entschieden, da auch fast alle direkten Wettbewerber an der NYSE vertreten seien, so der Konzernchef. Dagegen sei die oft als "Wachstumsmarkt" qualifizierte Nasdaq vor allem für kleine und mittlere Werte mit starken Wachstumsraten und oft noch geringer Profitabilität attraktiv. Pierer: "Siemens ist ein Unternehmen, das sich durch die Kombination aus technologiegetriebenen Wachstumsgeschäften mit den soliden Strukturen und der Erfahrung einer über 150jährigen Firmengeschichte auszeichnet, durch New Economy mit Substanz."

Siemens erschließt sich mit dem Listing den US-Aktienmarkt nicht neu. Bereits heute sind etwa 13 Prozent des Siemens-Kapitals in den Händen amerikanischer Anleger, vorwiegend großer institutioneller Aktionäre. Vor fünf Jahren lagen erst etwa 7 Prozent des Kapitals in den USA. In Deutschland werden etwas mehr als 50 Prozent des Kapitals gehalten. Siemens emittiert keine neuen Aktien, um sie in den USA zu platzieren. Vielmehr wird die Aktie in den USA als American Depositary Receipt (ADR) gelistet. Ein ADR des sogenannten Level II wird in den USA als "registered US equity" angesehen und kann damit von allen Investoren erworben werden. Eine ADR-Bank hinterlegt eine Siemens-Aktie bei sich, emittiert auf dieser Grundlage das Receipt und gibt es in den Handel. Beim Level II erfüllt das Unternehmen die vollen Anforderungen der US-Börsenaufsicht Securities Exchange Commission (SEC) und der Börse bezüglich Rechnungslegung und Transparenz wie jedes amerikanische Unternehmen. Die ADR's können deshalb vollgültig als Investment-Instrument wie auch als Akquisitionswährung eingesetzt werden.

Siemens ist seit Mitte des 19. Jahrhunderts in den USA vertreten, zog sich aber zurück, nachdem die Fabrikanlagen in Chicago im Jahr 1894 durch ein Feuer zerstört wurden. Das erste offizielle Vertriebsbüro in den USA eröffnete Siemens nach dem zweiten Weltkrieg 1954 im Empire State Building und konzentrierte sich damals vor allem auf die Medizintechnik. 1960 erzielte das Unternehmen in den Vereinigten Staaten einen Umsatz von 30 Millionen DM. Zehn Jahre später wurde die Siemens Corporation gegründet, die Holdinggesellschaft für die heute über 30 "Operating Companies". Die erste Fabrik für Telefonzubehör eröffnete Siemens 1973 in New Jersey. Das weitere Wachstum erfolgte zum Teil aus eigener Kraft, zum Teil aus einer Vielzahl von Akquisitionen, als Siemens im Laufe der 80er Jahre begann, sich in der ganzen Breite des Geschäfts in den USA zu etablieren. Neben den bereits genannten Übernahmen sind dabei vor allem noch hervorzuheben: 1988 der Automobilzulieferer Bendix Electronics Group; 1990 der Hersteller von Telekom-Vermittlungssystemen Stromberg Carlson; 1992 Rolm, ein Hersteller von Kommunikationsanlagen, der bereits zuvor gemeinsam als Joint-venture mit IBM geführt wurde; 1993 der Lampenhersteller Sylvania. Pierer: "Nach der Phase des exponentiellen Wachstums gehen wir jetzt daran, die Profitabilität auf Konzernniveau zu bringen. Unsere US-Aktivitäten werden ein Juwel für den Konzern."

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