FORMAT: Waffenhändler Khashoggi kontrolliert kleine Bank in Wien

Der Saudi verhandelte mit Kärntner Landesbank Hypo-Alpe-Adria/ Bankenaufsicht war seit Oktober alarmiert / Wirtschaftspolizei ermittelt nach CA-Anzeige bei Staatsanwaltschaft

Wien (OTS) - Der legendäre saudische Waffenhändler Adnan Khashoggi hat im Vorjahr mit Hilfe einer Truppe schillernder, internationaler Finanzartisten die Kontrolle über die kleine Wiener WMP Bank AG übernommen. Die Wirtschaftspolizei ermittelt. Dies berichtet das Nachrichtenmagazin FORMAT in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe.

Laut FORMAT kam es unter den Aktionären der WMP (sie ist aus den Resten der Wiener Immobiliengesellschaft Residenz AG hervorgegangen) im Sommer des Vorjahres zu gravierenden Veränderungen: eine US-Gesellschaft namens Global Capital Partners Inc. übernahm eine dominante Rolle, wodurch der Anteil österreichischer Aktionäre an der Bank, angeführt vom Wiener Wolfgang Kössner, von 40 auf neun Prozent sank. FORMAT zitiert Kössner mit den Worten: "Es mehren sich die Indizien, daß sich eine Clique Großkrimineller in der Bank eingenistet hat."

Wie aus einem FORMAT exklusiv vorliegenden Dossier hervorgeht, haben in der mit eingeschränkter Banklizenz als Börsenmakler tätigen Bank, die vor dem Jahreswechsel in General Commerce Bank umgetauft wurde, tatsächlich überaus schillernde, internationale Finanzartisten das Sagen:

- Der gebürtige Kanadier Raoul Berthaumieu, neuer Chef des Aufsichtsrates, wurde laut US-Zeitungsberichten bereits 1991 in den USA wegen Scheckbetruges verurteilt und soll dort auch unter dem Namen Lee Sanders aufgetreten sein. Berthaumieu operiert neuerdings von Brüssel aus über eine Pacific Federal Inc. und hat laut FORMAT von der zu 52 Prozent im Besitz des Landes Kärnten stehenden Hypo-Alpe-Adria Bank einen 100-Millionen-Kredit zur Finanzierung von zwei Lagerhäusern in Belgien bekommen.

- Die Beteiligung Adnan Khashoggis an der Wiener Bank eingefädelt hat der gebürtige Inder Rakesh Saxena. Laut FORMAT flüchtete Saxena im Juni 1996 aus Thailand nach Vancouver in Kanada. Die thailändischen Behörden machen ihn für den Zusammenbruch der Bangkok Bank of Commerce verantwortlich, bei dem 33 Milliarden Schilling verschwanden, und warten bisher vergeblich auf seine Auslieferung. Auch gegen Khashoggi wurde von den Thais im Zusammenhang mit der Bankenpleite 1997 ein Haftbefehl ausgestellt. FORMAT zitiert Saxena mit den Worten: "Herr Khashoggi betrachtet Wien als interessanten Börseplatz."

- Als Vertreter der neuen Machthaber in der Wiener Bank ist der Amerikaner Regis Possino tätig. Laut US-Zeitungsberichten handelt es sich bei Possino um einen kalifornischen Ex-Anwalt, der nach Verurteilungen wegen Drogenhandels und Betruges nicht mehr als Anwalt arbeiten darf.

Hypo-Chef Wolfgang Kulterer, der gegen die Bank ebenso offene Forderungen in den Büchern führte wie die Creditanstalt, hat nach eigenen Angaben bereits im Oktober bemerkt, daß in der Bank nach der Machtübernahme durch Khashoggi und Co. merkwürdige Deals abliefen. FORMAT zitiert Kulterer mit den Worten: "Es häuften sich Wertpapiertransaktionen mit schwächlichen Aktien, deren Kurse offenbar in die Höhe getrieben werden sollten. Ich habe das im Oktober dem Chef der Bankenaufsicht gemeldet.

Wie FORMAT weiter berichtet, ist Kulterer in Begleitung des Rechtsanwaltes seiner Bank noch Ende November im Wiener Hotel Imperial mit dem legendären saudischen Waffenhändler Khashoggi zusammengetroffen. Der 65jährige Saudi, Onkel des Geliebten der verunglückten britischen Prinzessin Diana, Dodi al-Fayed, war in den siebziger Jahren durch Waffenhandel zu einem der reichsten Männer der Welt aufgestiegen. FORMAT zitiert Hypo-Chef Kulterer mit den Worten:
"Herr Khashoggi hat diverse Projekte vorgeschlagen und wollte bei uns Konten eröffnen. Ich habe das aber abgelehnt."

Laut FORMAT hat die Wirtschaftspolizei mittlerweile unter der Aktenzahl II-164/WP/01 Ermittlungen gegen die seit 16 Jänner dieses Jahres unter Geschäftsaufsicht stehende General Commerce Bank aufgenommen. Die Ca hatte zuvor über ihren Rechtsanwalt Martin Oppitz eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft Wien deponiert.

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