"Neue Zeit" Kommentar: "Stumm" - (von Litsa Kalaitzis)

Ausgabe vom 9. 3. 2001

Graz (OTS) - "Meine Waffe ist die Sanftheit", erklärte unser Bundeskanzler gestern, aber er meinte damit gar nicht sein unverständliches Schweigen zu so manchen Vorkommnissen und Sagern, die dringend des Kommentars des Regierungschefs bedürften. So wie die Bemerkung des Kärntner Landeshauptmannes, der beim schon zur beschämenden Tradition gewordenen FPÖ-Aschermittwochtreffen in Ried unter anderem auch den Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde wieder einmal lautstark öffentlich attackierte: "Ich verstehe überhaupt nicht, wie einer, der Ariel heißt, so viel Dreck am Stecken haben kann", hatte Jörg Haider seine Fans amüsiert.

Der friedliebende Bundeskanzler zeigte sich gestern erstaunt darüber, dass er nach seiner Bewertung dieser Bemerkung gefragt wurde. Schließlich sei die ÖVP-Linie bekannt, er stehe als Parteiobmann dafür, dass es keine Scherze über Namen oder gar über Antisemitismus gebe. Und außerdem wolle er das Rieder Treffen nicht "zum Hochamt der Innenpolitik stilisieren".

Dass seine Klarstellung schon deswegen angebracht gewesen wäre, weil Haider gemeinsam mit ihm eine Präambel unterzeichnet hat, die auch Antisemitismus untersagt, das empfindet Wolfgang Schüssel gar nicht so. Er freut sich viel lieber darüber, dass keine einzige Partei Zustimmung zur Ariel-Bemerkung signalisiert habe. "Das zeigt, dass das Rechtsempfinden in unserem Land funktioniert". Der Kanzler als Verfechter eines stummen Protests, der gar nichts und gleichzeitig alles sagt.

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