Prets und Scheele: Männer profitieren von der Gleichstellung der Frauen

Seminar im Europäischen Parlament zum 90. Internationalen Tag der Frau

Wien (SK) Welchen Nutzen haben Männer von der Gleichstellung der Frauen zu erwarten? Diese Frage versuchten am heutigen internationalen Tag der Frau die TeilnehmerInnen eines gemeinsam von der schwedischen Ratspräsidentschaft und dem Europäischen Parlament (EP) veranstalteten Seminars im EP in Brüssel zu beantworten. Die schwedische Frauenministerin und Ratsvorsitzende Margareta Winberg und die Präsidentin des Europäischen Parlaments Nicole Fontaine waren die prominentesten unter den Referentinnen, zu denen auch renommierte Wissenschaftler/innen und Europaabgeordnete zählten. ****

Christa Prets und Karin Scheele, Europaabgeordnete der SPÖ, betonten in einer Stellungnahme, dass die Personen, die sich im Seminar geäußert haben, die Vorteile schon erkannt hätten, die die Gleichstellung der Geschlechter den Männern bringen würde. "Wenn Frauen und Männer sowohl das Berufsleben als auch das Familienleben wirklich teilen, hätten die Männer von beidem mehr. Männer könnten die Entwicklung ihrer Kinder viel besser miterleben, wenn sie auch bei der Kindererziehung voll eingebunden wären", führten Scheele und Prets als ein Beispiel an.

In diesem Sinnen sprachen sich die beiden Europaparlamentarierinnen dafür aus, die Hindernisse für Männer, die in Karenz gehen wollen, auszuräumen. Diese Hürden gebe es sowohl in den Betrieben als auch in der Gesellschaft, wo solche Väter noch immer schief angeschaut würden. "Es darf zu keiner finanziellen Schlechterstellung kommen, wenn Männer Vaterschaftsurlaub nehmen. Nur dann kann die Akzeptanz dieser Regelung erhöht werden", so Prets und Scheele.

Die noch immer gravierenden Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern sollten besser sichtbar gemacht werden. Scheele und Prets unterstützen die diesbezügliche Anregung des US-Professors Michael Kimmel, der mit seinem Vortrag die SeminarteilnehmerInnen begeisterte. Bei Vergleichen sollte man in Zukunft nicht mehr das Einkommen der Männer als Grundniveau heranziehen, sondern das der Frauen, meinte Kimmel. Dann würde es nicht mehr heißen: Wenn ein Mann 100 Euro verdient, erhält eine Frau 70 Euro für die gleiche Arbeit, sondern: Wenn eine Frau 100 Euro verdient, verdient ein Mann 130 Euro für die gleiche Tätigkeit. "Dann würde man staunen, wie stark sich Männer für Gleichstellung einsetzen, wenn verlangt würde, dass ihre Einkommen auf das normale Grundniveau runtergesetzt werden", so Scheele und Prets.

Besser sichtbar gemacht werden sollten auch die Privilegien, die Männer genießen. "Die meisten Männer sind sich ihrer privilegierten Stellung in der Gesellschaft gar nicht bewusst", betonten die Europaabgeordneten.

Vor 90 Jahren, am ersten internationalen Frauentag, gingen in den USA 15.000 Frauen auf die Straße mit der Forderung nach Gleichberechtigung, dem Stimmrecht und der Abschaffung der Kinderarbeit. Ihr Motto hieß damals: "Brot und Rosen", als Metaphern für "Geld (Einkommen) und Schönheit". Michael Kimmel deutete dies im Sinne der Gleichstellung der Frauen heute so: Erst wenn die Männer das Brot mitbacken, sind sie frei, um den Duft der Rosen genießen zu können. Dem schließen sich Christa Prets und Karin Scheele vollinhaltlich an.

Die beiden Europaabgeordneten forderten abschließend den österreichischen Frauenminister Haupt auf, das Motto des Weltfrauentages im EP - "Männer und Gleichstellung. Was können Männer dabei gewinnen?" - auch in die von ihm neugeschaffene Männerabteilung aufzunehmen. Scheele und Prets: "Durch die Aufarbeitung der Vorstellung von Männlichkeit und der daraus resultierenden Verhaltensweisen könnten Probleme der Männer wie Gewalt, Machtanspruch, etc. abgebaut werden. Wenn die Chancen und Vorteile der Gleichstellung in den Köpfen der Männer verankert sind, werden sie selbst die Gewinner sein. Dann hätte auch Haupts Männerabteilung einen Sinn." (Schluss) ps/mm

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