Katastrophe für den Naturschutz in Niederösterreich

Scharfe Kritik aus Wissenschaft und vom WWF

Wien (OTS) - Die am Dienstag den 6.3.2001 von
Naturschutz-Landesrat Schlögl und Umwelt-Landesrat Sobotka präsentierte Reduktion für die Natura 2000-Gebiete der Alpinen Region ist für Naturschutzprofe ssor Dr. Georg Grabherr und WWF-Natura 2000-Experte Mag. Christoph Walder schlichtweg eine Katastrophe für den Naturschutz in Niederösterreich. Während Grabherr die inhaltlichen Mängel dieser Vorgangsweise als gefährlich für die Existenz der bedrohten Natur sieht, ortet Walder durch die Reduktion massiven Schaden für die Erfüllung der EU-Naturschutz-Richtlinien. "Der WWF wird nicht zulassen, dass einem derart beliebigen Umgang mit unseren Naturschätzen Tür und Tor geöffnet wird."

Inhaltliche Mängel

Die Zerstückelung der großräumigen Natura 2000-Gebiete in Niederösterreich widerspricht völlig dem Grundgedanken von Schutzgebieten. "In der ersten Naturschutz-Vorlesung lernen meine Studenten bereits, dass Schutzgebiete möglichst abgerundete kompakte Einheiten mit notwendiger Zonierung sein müssen," erklärt Grabherr. Die Reduktion von 32 auf 17,5 % hat nicht zur gewünschten Fokussierung auf die ökologisch notwendigen Flächen geführt. "Durch die jetzig vorliegende Liste sind in Niederösterreich die bedrohten Arten und Lebensräume nicht ausreichend durch Natura 2000 erfasst," weiß Grabherr. Am Beispiel der europaweit stark bedrohten Fledermäuse wird diese Tragödie besonders deutlich: so liegen 50 % der relevanten Fledermausquartiere in Niederösterreich außerhalb von Natura 2000.

Unterstützung erhält Grabherr vom WWF: "Im Zuge dieses Naturschutzkahlschlages in Niederösterreich wurden auch alle Hoffnungsgebiete für gefährdete Tierarten gestrichen. Gerade für wandernde Arten oder solche mit geringen Beständen sind solche Flächen überlebenswichtig."

Mangel an europäischer Fairness

Die Vorgangsweise Niederösterreichs kann darüber hinaus weitreichende negative Auswirkungen auf die Fertigstellung des Natura 2000-Netzwerkes der gesamten Alpinen Region haben an der sieben Nationen Anteil haben. "Die veränderten Gebietslisten müssen zwangsläufig zu neuen Berechnungen führen, inwieweit die für Natura 2000 relevanten Arten und Lebensräume in der Alpinen Region ausreichend geschützt sind. Dieser große Mehraufwand gefährdet die rasche Einrichtung von Natura 2000. Nicht auszudenken wenn sich andere Bundesländer oder Mitgliedsstaaten ähnlich wankelmütig zeigen."

Mangel an Rechtssicherheit

Grabherr und Walder befürchten, dass diese neue Gebietsliste in Brüssel nicht durchgeht und somit neue Untersuchungen und Abgrenzung nach sich zieht. "Wissen schon jetzt Grundbesitzer und Wirtschaftstreibende nicht ob und wie sie von Natura 2000 betroffen sind oder nicht - müssen diese Entwicklungen zu weiteren Verunsicherungen führen".

Gibt es Lösungen?

"Die Natura 2000-Gebiete müssen gleichbleiben und die Energie sowie das Know-how in eine sinnvolle Zonierung und in abgestimmtes Gebietsmanagement einfließen, das mit Eigentümern und Bewirtschaftern zu definieren und entsprechend finanziell zu unterstützen ist. Die jetzige Vorgangsweise ist nur ein Täuschungsmanöver und erzeugt falsche Erwartungen. Außerdem blamiert sich Österreich maßlos, da nicht einzusehen ist, dass eine schon getätigte, vernünftige und von den Experten in Brüssel anerkannte Liste wieder umgestoßen wird. Diese Liste mit Leben im wahrsten Sinn des Wortes zu füllen, wäre eine korrekte Vorgangsweise und entspräche auch den EU-Richtlinien," fordern Grabherr und Walder.

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