"Neue Zeit" Kommentar: "Unterschied" (von Günther Gruber) - Ausgabe vom 8. 3. 2001

Graz (OTS) - Der Sack blieb zu, als gestern die steirische Landeshauptfrau mit Gefolge in der Chefetage der Bundesregierung um das eine oder andere Zuckerl für die Steiermark vorstellig wurde. Der schon seit der Regierungs-Antrittsrede von Waltraud Klasnic bekannte Flughafen-Deal wurde wieder aufgewärmt, der Verkauf der Landesanteile an der Straßenbau AG neu vereinbart. Das Geld daraus fließt in die Finanzierung des Grazer Kunsthauses und in eine Verlängerung des Formel-1-Vertrages mit Bernie Ecclestone.

Das war es aber auch schon. Keine Rede von der Koralmbahn, vom Semmering-Tunnel, keine verbindlichen Zusagen zur Erhaltung von Bezirksgerichten und Finanzämtern. Da wurden die Bittsteller von der anderen Seite des Semmerings kühl an die einzelnen Fachminister verwiesen. Die Bundesregierung scheint sich strikt an die Aussage ihres Finanzministers zu halten, der angesichts eines Fünf-Milliarden-Geschenks an seinen einfachen Parteifreund in Kärnten gemeint hatte, Begehrlichkeiten anderer Bundesländer werde man abzuwehren wissen. Dass ihm die gestrigen Bittsteller 3,3 Milliarden Schilling Steuergeld der SteirerInnen für das Bundesbudget geschenkt haben, ist für den Finanzminister offenbar nur eine Bestätigung dafür, wie leicht sie sich über den Tisch ziehen lassen. Das ist eben der kleine Unterschied: Ein Jörg Haider kann drohen, eine Waltraud Klasnic muss bitten. Den einen fürchtet der Bundeskanzler, der anderen Loyalität kann er sich sicher sein.

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