Handel 2000: Rauere Zeiten für den Einzelhandel

Obmann Lemler: Dennoch Klein- und Mittelbetriebe im Aufwind

Wien (PWK177) "Nach zwei Jahren mit Rückenwind ist das Handelsschiff im vergangenem Jahr wieder in eine Flaute geraten", resümierte Erich Lemler, Obmann der Bundessektion Handel in der Wirtschaftskammer Österreich am Mittwoch anlässlich der Jahrespressekonferenz 2000. Nachdem die Umsätze des Einzelhandels im ersten Halbjahr 2000 nominell und real um ein Prozent gestiegen sind, haben sie im zweiten Halbjahr nominell stagniert, real sind sie um ein Prozent zurückgegangen. "Interessant ist, dass kleine und mittlere Handelsbetriebe mit einem Jahresumsatz zwischen 10 und 50 Mio. Schilling einen überdurchschnittlichen Zuwachs von drei Prozent verzeichnet haben", zeigte sich Lemler erfreut.

Jahressieger 2000 waren der Sportartikel- und Spielwarenhandel mit einem Umsatzplus von zehn bzw. sechs Prozent. Auch Baumärkte, Elektro-/Fotohandel, Schuh-, Lederwaren- und Bekleidungshandel sowie der Uhren- und Schmuckhandel konnten ihre Umsätze gegenüber dem Vorjahr steigern. Drogerien/Parfümerien und der Papier- und Buchhandel stagnierten. "Nur im Lebensmittelhandel waren die Umsätze gegenüber 1999 rückläufig", erklärte Peter Voithofer, vom Institut für Gewerbe- und Handelsforschung (IfGH).

Insgesamt ist der Handel (einschließlich Großhandel) mit rund 492.000 Beschäftigten der zweitgrößte Arbeitgeber Österreichs - nach dem Gewerbe und vor der Industrie. Die Zahl der Voll- und Teilzeitbeschäftigten im Einzelhandel hat sich im Jahresdurchschnitt um 3.600 Personen, das sind plus 1,6 Prozent, erhöht. Dazu kommen rund 27.000 geringfügig Beschäftigte.

Das Jahr 2001 dürfte eine Konjunkturabschwächung bringen. Die private Kaufkraft wird sowohl von der sich abschwächenden Konjunktur als auch von Steuer- und Abgabenerhöhungen gedrückt. "Die prognostizierte Steigerung der privaten Konsumausgaben von zwei Prozent wird daher nur dann realisiert, wenn die Konsumenten auf Erspartes zurückgreifen," zeigt sich Voithofer im Ausblick aufs laufende Jahr vorsichtig.

Besorgt zeigte sich Lemler über die schwache Ertragskraft im Handel, denn im Gesamtdurchschnitt erwirtschafteten rund 60 Prozent aller österreichischen Einzelhandelsunternehmen rote Zahlen. Hauptverantwortlich dafür sei, so Voithofer, der ruinöse Preiswettbewerb, der die Spannen bzw. Roherträge drückt. "Auch wenn sich die Ertragskraft gegenüber dem Vorjahr geringfügig verbessert hat, muss es das klare Ziel für die Betriebe sein, wieder in die Gewinnzone zu kommen", meint der Obmann. Die höchste Ertragskraft (plus 1,1 Prozent) verzeichnen die Großhandelsbetriebe, gefolgt vom Kfz-Handel mit durchschnittlich 0,6 Prozent. Aufgrund der geringen Ertragskraft der Betriebe ist auch die Eigenkapitalquote von durchschnittlich 17 Prozent nicht zufriedenstellend. Rund die Hälfte der Unternehmen ist überschuldet. Im Schuh- und Elektrohandel liegt die Eigenkapitalquote im Durchschnitt sogar unter zehn Prozent.

Eine deutliche Stellungnahme gab es von Seiten des Lebensmittelhandels zum Thema BSE: Hannes Mraz, BSE-Koordinator der WKÖ und Geschäftsführer des Bundesgremiums des Agrar- und Lebensmittelhandels, fordert eine Übernahme der Kosten durch die öffentliche Hand und eine endgültige, Rechtssicherheit gebende Lösung. Es sei bedauerlich, so Mraz, dass offenbar ein Kompetenzstreit zwischen Bund und Ländern auf dem Rücken der Wirtschaft und der Landwirtschaft ausgetragen werde.

Besonderes Augenmerk widmet die Bundessektion Handel der Unterstützung ihrer Mitglieder im Zusammenhang mit der Euro-Umstellung. Am 1. Jänner kommenden Jahres wird ja bekanntlich der Euro an allen Kassen des Einzelhandels zum Barzahlungsmittel. Der Einzelhandel wird als "Wechselstube der Nation" die Hauptlast des Währungsumtausches tragen, der Wechselgeld-Bedarf wird sich in der Doppelwährungsphase dramatisch erhöhen. Damit sich jedes Geschäft den Bargeldbedarf selbst errechnen kann, drängte die Bundessektion auf die Schaffung eines einfachen Computer-Programmes. Dieser "Euro-Calculus" ist im Internet unter http://www.stuzza.at zu finden und herunterzuladen. "Damit die Unternehmen nur möglichst kurze Zeit mit zwei Währungen an der Kasse arbeiten müssen, empfehlen wir unseren Mitgliedern, ab 1. Jänner 2002 Schilling und Euro anzunehmen, aber nur mehr Euro als Wechselgeld herauszugeben", betonte Lemler abschließend. (EBK)

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