ÖGB-Csörgits: Erwerbstätigkeit muss sich für Frauen lohnen

ÖGB-Frauen fordern zum Internationalen Frauentag positive Signale für erwerbstätige Frauen

Wien (ÖGB). Kritik übte Renate Csörgits, ÖGB-Frauenvorsitzende und ÖGB-Vizepräsidentin, anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März an der Familienpolitik der Regierung - denn von einer Frauenpolitik könne in den vergangenen Monaten ohnehin nicht die Rede sein.++++

Frauenpolitik bedeutet, Frauen in ihrer Unabhängigkeit und ihrer eigenständigen Existenzsicherung durch Erwerbstätigkeit zu unterstützen. Csörgits: "Derzeit vermittelt die Regierung eher den Eindruck, dass die Erwerbstätigkeit von Frauen nicht unbedingt erwünscht ist. Die Einführung des Kinderbetreuungsgeldes bietet Frauen mit geringen Einkommen keineswegs die, von der Regierung propagierte Wahlfreiheit. 'Zuverdienen' würde für solche Frauen bedeuten, dass sie während der Karenz voll weiter arbeiten müssen. Damit wird aber die ursprüngliche Idee des Karenzurlaubes ad absurdum geführt."

Frauen verdienen 31 Prozent weniger als Männer - Tendenz steigend. ÖVP und Wirtschaftskammer haben heute eine 'gesamtheitliche Betrachtung' der beruflichen Perspektive von Frauen gefordert. ÖVP-Generalsekretärin Rauch-Kallat setze aber auch bei der Beseitigung dieses Missstandes auf ein Minderheitenprogramm, kritisierte Csörgits. "Ich bin auch dafür, dass mehr Frauen die guten Verdienstmöglichkeiten in den IT-Berufen nützen. Aber es ist eine Zumutung, das den Frauen aus der Sachgüterproduktion oder dem Handel, nur dann ein faires Einkommen in Aussicht gestellt wird, wenn sie sich zu IT-Expertinnen umschulen lassen. Nur weil Wirtschaft und Regierung derzeit in diesem Bereich verzweifelt auf der Suche nach Arbeitskräften sind, darf diese Vorgangsweise nicht als Allheilmittel gegen die Einkommensunterschiede ausgegeben werden", gibt Csörgits zu bedenken.

WKÖ-Präsident Christoph Leitl habe mit seinen Vorschlägen zur Verbesserung der Kinderbetreuungseinrichtungen aufhorchen lassen. Csörgits. "Eine Kooperation von Betrieben mit öffentlichen Kindergärten halte ich für ein sehr wichtiges Signal. Damit wären die Mittel des FLAF jedenfalls gerechter eingesetzt als bei einer Gießkannenmaßnahme wie dem Kinderbetreuungsgeld."

Csörgits nahm auch zu der Aussage von Frauenminister Haupt, es sei kleinlich, Frauenpolitik von Familienpolitik abzugrenzen, Stellung. Den Vorwurf eines, so Haupt bei seiner heutigen Pressekonferenz 'sektiererischen Angriff des ÖGB', weisen die ÖGB-Frauen auf das entschiedenste zurück: "Es ist kein Sektierertum, sondern unsere Aufgabe, für die Interessen der ArbeitnehmerInnen einzutreten." Csörgits weiter: "Es ist Ironie, dass der Herr Frauenminister anlässlich seiner Pressekonferenz zum Frauentag nun auch Kindergärtnerinnen gegen Tagesmütter ausspielt, und trotz der massiven Einwände auf sein Konzept des Kinderbetreuungsgeldes beharrt. Allen Warnungen zum Trotz ignoriert der Frauenminister die ausgelegte Falle für ArbeitnehmerInnen in Hinblick auf den Kündigungsschutz."

Eine gerechte Alternative sieht Csörgits in dem ÖGB-Modell "Karenzgeld PLUS". Dieses bedeutet für erwerbstätige Frauen ein einkommensabhängiges Karenzgeld zwischen 8.437 und 15.087 Schilling. "Frauen müssen sehen, dass es sich in jeder Hinsicht lohnt, arbeiten zu gehen. Und sie sollen sich darauf verlassen können, dass ihnen ein existenzsicherndes Karenzgeld und eine Rückkehr an ihren Arbeitsplatz zusteht. Diese Garantie bietet nur eine Beibehaltung des Versicherungsprinzips", sagte Csörgits abschließend. (hk)

ÖGB; 7.März 2001
Nr. 171

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