"Neue Zeit" Kommentar: "Solidarität" (von Litsa Kalaitzis)

Ausgabe vom 7. 3. 2001

Graz (OTS) - Unser Herr Frauenminister hat's nicht leicht:
Anlässlich des morgigen Internationalen Frauentages wird er zwar heute wieder einmal seine Vorhaben zur Gleichstellung seiner Klientinnen erläutern, aber wer wird ihm glauben? Auch wenn Herbert Haupt gerne betont, wie sehr ihm die Alleinerzieherinnen am Herz liegen - in Sachen Kindergeld ist er mit seiner oft gestellten Forderung, jene Mütter gleichzustellen, die aus welchen Gründen auch immer keinen Vater bei der Hand haben, am Veto der ÖVP gescheitert. Drei Jahre Karenzgeld gibt es eben nur für ordentliche Familien, und dazu gehört auch der Vater.

Alleinerzieherinnen werden auch vom nächsten Haken der Regelung ärger als Ehefrauen betroffen sein, was Vizekanzlerin Riess-Passer als "großen Schritt für Frauen" bezeichnet: Der Kündigungsschutz wurde nicht mit ausgeweitet, so dass jener Partner, der den größeren Teil des Kinderhütens übernimmt (erfahrungsgemäß auch in funktionierenden Partnerschaften fast immer die Mutter), im letzten halben Jahr gekündigt werden kann. Als Alleinerzieherin wird man also gut beraten sein, nach zwei Jahren wieder arbeiten zu gehen, um nicht auch noch arbeitslos zu werden.

Die geplante Umsetzung des Kindergeldes, eines "zentralen Vorhabens der Regierung", wie es Bundeskanzler Schüssel nennt, vermittelt jenen Frauen, die versuchen, ihre Kinder ohne Väter zu erziehen, aber zumindest ein Gefühl der Solidarität mit Herbert Haupt: Beide haben es weiterhin schwer, erstere allerdings unverschuldet.

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