Auf den Postamtsschaltern regiert das Chaos

Gewerkschaft der Post- und Fernmeldebediensteten schlägt Alarm!

Wien (GPF/ÖGB). Seit mehr als 1 ½ Jahren ist das Management der Postamtsschalter in den Händen des ehemaligen Postautomanagers Mag. Josef Halbmayr. In diesen 1 ½ Jahren ist es dem Vorstandsmitglied gelungen, aus dem Schalterbereich die größte Baustelle im Unternehmen Post AG zu machen, lautet der Vorwurf von Gerhard Fritz, Landesvorsitzender der GPF (Gewerkschaft der Post- und Fernmeldebediensteten) für Wien, NÖ und Burgenland.++++

Konkret wirft der Landesvorsitzender der GPF, Gerhard Fritz dem Postvorstand vor:

  • Immer häufiger sind Postamtsschalter unbesetzt. Der Grund zuwenig Schalterpersonal.
  • Trotz mehrmonatigen Urgierens durch die Personalvertretung gibt es im Schalterbereich noch immer keine längerfristige Personalplanung, was in einem Großunternehmen Mindeststandard ist. Personalplanung geschieht von heute auf morgen. Die Resturlaube der Schalterbediensteten sind höher denn je.
  • Für die Schaltermitarbeiter ist bis heute kein konkretes Ausbildungskonzept, geschweige denn eine dementsprechende konkrete Ausbildungsplanung vorgelegt worden. In den Schubladen der Postgasse gibt es sie angeblich.
  • Auf der Gerüchtebörse erfährt man, dass das ohnehin brustschwache Ausbildungsbudget noch weiter gestrichen wurde.
  • Die Kapazitätsbemessung im Schalterbereich nimmt überhaupt keine Rücksicht auf die den Postämtern und ihren Mitarbeitern aufgetragenen Zielvorstellungen bei den Verkaufsleistungen. So wird z.B. eine Verdoppelung der Verkaufszahlen gefordert, ohne dass die Personalkapazität entsprechend angepasst wird.
  • Die Preispolitik bei den Postfachentgelten hat dazu geführt, dass mit 15. Februar 2001 österreich weit fast 2/3 der Postfächer aufgelassen wurden und in der Zustellung etwa 440 Arbeitsplätze mehr notwendig sein werden, als noch vor dieser Massnahme. Die mögliche Personalreduktion in der Postfachsortierung mit etwa 160 Arbeitsplätzen führt zu einer Personalkostenerhöhung für die Post AG von 280 Arbeitsplätzen oder von ca. 114 Millionen Schilling.
  • Ein neues Betriebstypenkonzept soll in der zweiten Jahreshälfte getestet werden, das im wesentlichen derzeit 2 Modelle vorsieht. Ein Modell mit dem Namen Mc.Post in frequenzstarken Lagen und ein Modell mit dem Namen Post.Complete an Standorten mit mehr als 3000 Einwohnern. Je 5-6 Testpiloten sollen ab Mai in einen halbjährigen Testbetrieb gehen. Eines haben beide Typen gemeinsam: Man weiß in keinem der Pilotbetriebe die konkreten Standorte, das genaue anzubietende Produktsortiment, noch hat man Unterlagen zur Kundenakzeptanz. Nach einem eventuellen Erfolg des Testbetriebes will man Ende 2001 entscheiden, wie es im Schalterdienst weitergeht.
  • Das jetzige Filialnetz soll einstweilen ein "Stiefmütterchendasein" fristen, hiezu hat man überhaupt keine Ideen. Rationalisieren als Konzept wird zu wenig sein. Mögliche Wettbewerbsvorteile, die durch den Kauf der PSK durch die BAWAG sich aufgetan haben, werden nicht einmal im Ansatz angedacht.
  • Das EDV-System am Schalter zeigt ständig neue Kinderkrankheiten, die sich langsam zu einem massiven Geschwür ausbilden. Vom früher oft angekündigten papierlosen Schalter ist man meilenweit entfernt.
  • Im übrigen gibt es auch keine klaren Aussagen zum Filialnetz. War es in den Jahren 1999 und 2000 der PSK-Verkauf den man abwarten musste, so ist es jetzt die Universaldienstverordnung. Dann wird es sicherlich das neue Betriebstypenkonzept sein, dass ein neuerliches Abwarten rechtfertigen wird. Abwarten als Zukunftskonzept ist für uns als Personalvertretung ein unbekanntes und auch untaugliches Instrument, um in der Zukunft erfolgreich zu sein.

"Es stellt sich für uns die Frage, wie lange der Eigentümer noch zusehen kann, wie das hervorragende Postämternetz zu Tode gewirtschaftet wird. Die Frustration in der Kollegenschaft ist auf jeden Fall bereits weit fortgeschritten. Viele ausgezeichnete Kolleginnen und Kollegen verlassen bereits aus Angst vor der Zukunft das Unternehmen" bekräftigt Gerhard Fritz seine massive Kritik am Schalterverantwortlichen im Postvorstand.

ÖGB, 6. März 2001
Nr. 165

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