"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Die Lunte brennt" (von Floo Weissmann)

Ausgabe vom 6. 3. 2001

Innsbruck (OTS) - Die Entwicklung der Spannungen am Balkan liest sich wie ein Versäumniskatalog der internationalen Gemeinschaft. Sie hat den Brandherd Kosovo unterschätzt und lässt bis heute Entschlossenheit und Zukunftsvisionen vermissen. Damit hat sie e in Vakuum entstehen lassen, das nun Extremisten mit Träumen von Großalbanien und paramilitärischen Abenteuern füllen.

Die Friedenstruppe KFOR wirkt daneben wie ein Statist. Sie hat die Albaner-Miliz UCK nicht vollständig entwaffnet. Dann war sie nicht willens oder in der Lage, das Einsickern der Rebellen in die südserbische Pufferzone zu verhindern. Jetzt folgt dasselbe Spiel in Mazedonien, und die KFOR gibt offen zu, dass die dort kämpfenden Rebellen vom Kosovo aus operieren.

Ziel der Extremisten ist die Destabilisierung der Region, um die bestehende Grenzziehung aufzubrechen und zum Gegenstand der Debatte zu machen. Die jugoslawische und die mazedonische Regierung bemühen sich bisher löblich, sich nicht provozieren zu lassen , was einem innenpolitischen Hochseilakt gleichkommt. Auch hat Belgrad einen überfälligen Plan zur Integration der Albaner vorgelegt, um den Extremisten den Nährboden abzugraben.

Aber Unmut und Unruhe wachsen mit jedem Tag gefährlich an, alles wartet auf klare Signale von UNO, NATO und Co. Vordergründig geht es um rasche Maßnahmen zur Eindämmung der Gewalt. Doch früher oder später muss die internationale Gemeinschaft Pläne für di e Zukunft des Kosovo auf den Tisch legen. Sonst werden dies weiterhin andere tun.

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