Wiener Kulturgespräch: Häupl und Woller zu Marboe, FPÖ und Public Netbase

Häupl: "Es ist Schluss! Die SPÖ nimmt den Kulturkampf gegen die FPÖ auf!"

Wien (SPW) "Die FPÖ will unter offensivem Schweigen der ÖVP ein ‚Gesamtkunstwerk‘ schaffen. Die FPÖ hat in Bildung, Wissenschaft und Forschung, aber vor allem im Kulturbereich der offenen Gesellschaft den Kampf angesagt." Jetzt sei es an der Zeit zu sagen: "Es ist Schluss! Dieser Kulturkampf wird von der SPÖ als Vertreterin dieser offenen Gesellschaft aufgenommen, und es kann keinen Demokraten geben, der sich hier absentiert. Ich fordere die ÖVP und Kulturstadtrat Marboe auf, in dieser Auseinandersetzung auf der richtigen Seite zu stehen!" bezog Bürgermeister Dr. Michael Häupl am Sonntag im Rahmen des "Wiener Kulturgesprächs" im Ensemble-Theater Position. Zahlreiche Kulturschaffende waren gekommen, um mit Häupl und dem SPÖ-Wien-Kultursprecher, Gemeinderat Ernst Woller zu diskutieren.****

In ihrem Begrüßungs-Statement ging Hilde Hawlicek vor allem auf die massiven Verschlechterungen im Kulturbereich durch die derzeitige Bundesregierung ein. So sei zum Beispiel in vielen Bereichen gemäß der Ansage Haiders "kein Geld für linke Denkfabriken" das Kulturbudget nach ideologischen Kriterien gekürzt worden. Auch die Ausgaben für Auslandskulturpolitik seien um über 30 Prozent gekürzt worden, das österreichische Kulturinstitut in Paris werde geschlossen. "Die Kulturschaffenden haben Angst vor Repressalien, Museen müssen teilweise den Betrieb einstellen und an den Kulturhochschulen findet eine Reformhetzjagd statt", so Hawlicek.

"Dass Wien eine großartige Kulturstadt ist, weiß jeder. Ich will aber, dass Wien bis 2010 die Hauptstadt der jungen und zeitgenössischen Kunst ist. Es muß in Wien auch Geld für Neues geben", so Woller. In Anspielung auf Marboe erklärte der Gemeinderat, Kulturpolitik dürfe nicht nur verwalten und repräsentieren. "Wenn wir Theater wollen, dann haben wir es, genauso wie Schulen oder Straßenbau, auch zu finanzieren - das ist unser Standpunkt." bekräftigte Woller.

Heftige Kritik hagelte es von Woller wie auch vom Publikum am Vorgehen der Wiener ÖVP und Kulturstadtrates Marboe im Falle "Public Netbase". Die von der SPÖ für dieses breitest anerkannte Kulturprojekt geforderte Subvention, von der dessen Weiterführung abhänge, sei von Marboe und der ÖVP bisher blockiert worden, die Lage für Public Netbase sei "kritisch". Überhaupt notwendig geworden sei die Subvention deshalb, weil das Projekt von Seiten der derzeitigen Bundesregierung finanziell ausgehungert werde, weil es zu regierungskritisch sei. Pikanter Weise hatte das Kulturprojekt erst im vergangenen Jahr den Preis der Stadt Wien aus den Händen von ÖVP Kulturstadtrat Marboe erhalten.
Bürgermeister Häupl bezog in dieser Sache klar Stellung und meinte, die Subvention für Public Netbase werde auf jeden Fall bei der nächsten Stadtsenatssitzung beschlossen - "nötigenfalls auch ohne die Stimmen der ÖVP". Mit Blick in die Zukunft mußte Häupl jedoch eingestehen: "Ich weiß nicht, ob wir alles abfangen können, was der Bund anrichtet".

Gemeinderat Ernst Woller bezeichnet Marboe als "einen Stadtrat, der vor allem repräsentiert und weniger ein Mann der Politik und der Entscheidungen ist." Marboe verkaufe vor allem politische Entscheidungen, hinter denen zu einem Großteil die SPÖ stehe, wie zum Beispiel bei der "Kunsthalle light" am Karlsplatz oder der Ausschreibung des Schauspielhauses.

Angesprochen darauf, ob es Bestrebungen gebe, das Kulturressort wieder sozialdemokratisch zu besetzen, erklärte Häupl: "Grundsätzlich ist die Zielsetzung die absolute Mehrheit, wodurch sich diese Frage gar nicht stellen würde. Ansonsten hängt die Besetzung des Kulturstadtrates auch stark von der Person ab, wobei nur ein weltoffener Demokrat akzeptabel ist." So hätte es auch andere Kandidaten als Marboe aus der ÖVP gegeben, die nicht akzeptabel gewesen wären.

Auch auf sein persönliches Verhältnis zur Kultur wurde Häupl angesprochen. Er erkärte, dass die Vielschichtigkeit einer Person in der Medienwelt oft untergehe - man können sowohl Fussball als auch Theater und Literatur lieben, wie es bei ihm der Fall wäre. Es werde im Falle seiner Person einfach versucht, einen Sozialdemokraten zu denunzieren. Die unsachlichen Diffamierungen und Beschimpfungen Haiders in seine Richtung ließen ihn aber eigentlich kalt. (Schluss)fk

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