"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die Brüder vom Kartell" (von Erwin Zankel)

Ausgabe vom 04.03.2001

Graz (OTS) - Als gelernter Österreicher ahnte man, wie die Sache ausgehen wird: Das Kartellgericht listete zwar die Bedenken gegen die weitere Konzentration von Medienmacht auf, wog die Einwände, wertete die Gefahren und kam trotzdem zum Urteil, die Elefantenhochzeit der Nachrichtenmagazine sowie aller angeschlossenen bunten Blätter zuzulassen.

Damit erhielt ein Medienmonopol den staatlichen Segen, das auf der Welt einmalig ist: 60 Prozent des österreichischen Magazinmarkts und 60 Prozent des österreichischen Zeitungsmarkts werden von einem einzigen Konglomorat kontrolliert.

Angefangen hat es mit dem Einstieg der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung in die Kronen Zeitung und der Einbringung des Kurier in die Mediaprint. Nun gesellte sich zur Zeitungskrake noch der Magazinmoloch. Die Frontmänner heißen Hans Dichand von der Krone und Wolfgang Fellner von News, die Hintermänner sitzen in Deutschland. Die heimischen Biedermänner betätigten sich als unterwürfige Türöffner für die Herren aus Hamburg und Essen. Raiffeisen konnte beim Monopoly der Mediengiganten nicht mehr mitpokern. Im Verdrängungswettbewerb zwischen Format und profil ging den Bauernbankern die Luft aus. Als es so weit war, beschlossen WAZ und Bertelsmann, die Geldvernichtung zu beenden und die Konkurrenten nach Kapitalistenmanier zu bändigen.

Von den Hütern des Wettbewerbs war kein Einspruch zu erwarten. Unser Kartellrecht ist löchrig, die Aufsichtsbehörde willfährig. Im Kartellgericht ist der Berufrichter zum Statisten verurteilt, den Ton geben die von den Kammern entsandten Laienrichter an. Bevor noch der Richtersenat tagte, war das Aufgebot für die Vermählung von Format und profil schon bestellt. Die Sozialpartner gaben ihre Zustimmung, der Wirtschaftsminister verzichtete vorab auf eine Prüfung.

Wenn nun der Justizminister nach dem Sündenfall ein Kartellrecht mit Biss ankündigt, löst das nur ein schmerzhaftes Lächeln aus. Eine rückwirkende Zerschlagung der Mediaprint oder eine Auflösung der Magazinehe wird es nicht geben und auch an der Praxis der Packelei hinter den Polstertüren wird sich nichts ändern.

Die Brüder vom Kartell arbeiten lautlos und verstehen sich blind. Der General auf dem Küniglberg richtet sein Fähnchen nach dem Wind. Im ORF ist Sendepause. Krone und News kommen dafür in der Werbung umso häufiger vor. Gerhard Weis hat die Aufforderung, den ORF den "Bürgern" zu überlassen, sofort verstanden. Die größte Medienorgel des Landes tönt im Gleichklang mit dem größten Medienmonopol. Dichand & Fellner sind schließlich besondere Bürger.

Sonst herrscht Stille, was es den Drahtziehern des Deals leicht macht, die Warnungen vor den Folgen der geballten Medienmacht als Kritik neidischer Mitbewerber abzutun.

Die politische Klasse schweigt. Aus Angst, nicht aus Ahnungslosigkeit. Die Regierung schaut weg, die Opposition duckt sich. Die intellektuelle Elite bleibt stumm und erregt sich statt dessen über jeden Rülpser Jörg Haiders.

Widerstand wäre auch anderswo gefragt gewesen. ****

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