"profil": Exklusiv-Interview mit Ernst Gassner nach seiner Verurteilung: "Es gab nichts zu gestehen"

Ex-Bank-Burgenland-Chef will "Fehlurteil mit aller Kraft bekämpfen" - Schwere Vorwürfe an Aufsichtsratspräsident Werner Josef Frantsits

Wien (OTS) - In einem Exklusiv-Interview in der Montag erscheinenden Ausgabe erhebt der am Montag vergangener Woche wegen Untreue zu zehn Jahren Haft verurteilte Ex-Bank-Burgenland-Chef Ernst Gassner schwere Vorwürfe gegen seinen ehemaligen Aufsichtsratspräsidenten Werner Josef Frantsits. Gassner: "Er macht sich's leicht, und ich kann diese Haltung nicht verstehen." Alle Kreditanträge an den deutschen Unternehmer Alexander Thom, alias Alejandro Hom-Rusch, hätten die für die Entscheidungsfindung notwendigen Hinweise enthalten, seien dem Aufsichtsrat vorgelegen und von Frantsits unterschrieben worden. Offenbar, so Gassner weiter, "ist Erinnerungsvermögen keine messbare Größe."

Frantsits selbst hatte im Prozess angegeben, "getäuscht" worden zu sein. Gassner gegenüber "profil": "Wir sind alle getäuscht worden. Ich bin mir keiner Schuld bewusst. Wenn ich aber getäuscht wurde, so muss ich dies erst recht den anderen Entscheidungsträgern der Bank zugestehen."

Gassner, vertreten durch den Wiener Rechtsanwalt Herbert Eichenseder, bekennt weiter "nicht schuldig" und hat gegen das Urteil Berufung und Nichtigkeitsbeschwere eingelegt. "Ich werde dieses Fehlurteil nie akzeptieren und mit aller Kraft bekämpfen."

Zweifel an den wahren Intentionen seines ehemaligen Großkunden Hom-Rusch seien ihm, Gassner, nie gekommen. "Im Nachhinein klingt das vielleicht blöd, aber es ist so. Die Howe wurde von der Bank bis zum Auffliegen der Bilanzfälschungen auch nicht als Sanierungsfall gesehen."

Mit dem heutigen Wissensstand sei das anders. "Heute weiß ich, dass gegen Hom-Rusch mehrere Gerichtsverfahren angestrengt wurden, darunter auch in Eisenstadt. Heute weiß ich auch, dass mit seiner bolivianischen Staatsbürgerschaft etwas nicht stimmte. Damals habe ich das nicht gewusst. Die Behörden dagegen sehr wohl."

Wie "profil" weiter berichtet, soll Gassner während des Verfahrens ein Geschäft angeboten worden sein. Demnach habe man ihm Strafmilderung angeboten, wenn er seine ehemaligen Vorstandskollegen, den Aufsichtsrat und möglicherweise sogar Landespolitiker belaste. Gassner: "Die Einladung hat es immer wieder von verschiedenen Seiten gegeben, allerdings nie konkret und nie von der Vertreterin der Anklage."

Kritik übt Gassner auch an den vom Gericht im Verfahren beigezogenen Sachverständigen Matthias Kopetzky und Martin Geyer. "Die haben sich besonders unangenehm hervorgetan. Sie waren sichtlich bemüht, sich als Anklagevertreter zu profilieren. Mit einem solch geringen Fachwissen würde ein junger Bankmitarbeiter seine Prüfung nicht bestehen."

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