Kein Milchmädchen.

"White Paper" vergaß auf alle mitversicherten Angehörigen

Linz (OTS) - Eine im Magazin "News" veröffentlichte "Studie" kommt zu dem Schluss, dass bei der gesamten Sozialversicherung 54 (!) Prozent des Verwaltungspersonals eingespart werden könnte. Das sogenannte "White Paper", angeblich von einer großen EDV-Firma erstellt, hat mehrere Schönheitsfehler: Es geht von falschen Annahmen aus, vergisst wichtige Faktoren und zieht falsche Schlüsse. OÖGKK-Obmann Oberchristl: "Die Berechnung eine Milchmädchenrechnung zu nennen, wäre eine Beleidigung aller Milchmädchen." Würden reale Voraussetzungen angesetzt, so belege das Papier im Fall der OÖGKK eindrucksvoll deren Überlegenheit gegenüber Privat-Versicherungen. Kein Wunder, dass sich zu dem Papier niemand bekennen will.

Das "White Paper" unternimmt den Versuch, die Verwaltungskosten privater Versicherungen mit denen der Sozialversicherung zu vergleichen. Ohne auch nur im geringsten auf die völlig unterschiedliche Betreuungsintensität einzugehen, werden "Versicherungsverhältnisse" und das zur Betreuung nötige Verwaltungspersonal verglichen. Dabei wird in der Krankenversicherung ein "Soll" von 1.000 "Versicherungsverträgen" pro Mitarbeiter postuliert. Die Sozialversicherung schneidet - was offenbar gewünscht war - deutlich schlechter ab als die Privaten, woraus enorme Einsparungspotenziale abgeleitet werden.

"Kleiner Fehler" der anonymen Autoren: Sie vergaßen völlig auf die mitversicherten Angehörigen, die es in der Sozialversicherung im Gegensatz zu Privatversicherungen ebenfalls zu betreuen gilt. Berücksichtigt man die tatsächlich betreuten Personen, wendet sich -bei sonst gleicher Berechnung - die Arbeitshypothese des "White Paper" zu einem Plädoyer für die Sozialversicherung. Im Fall der OÖ Gebietskrankenkasse heißt das konkret: Für 1.045.182 betreute Personen liegt das rechnerische Soll einer "schlanken Verwaltung" bei 1.045 Verwaltungsangestellten. Tatsächlich gibt in der OÖGKK nur 969 Verwaltungsstellen - die OÖGKK hat also um 76 Personen zu wenig in der Verwaltung beschäftigt. Der Rechnung des "White Paper" folgend dürfte die OÖGKK pro Jahr um fast 42 Millionen Schilling mehr für ihre Verwaltung ausgeben.

Bei all den Rechenspielen der sogenannten Studie wurde unter anderem nicht berücksichtigt, dass die Transaktionsintensität in der sozialen Krankenversicherung unvergleichlich höher ist als bei privaten Versicherungen. So werden im Beitragsbereich der OÖGKK pro Jahr mehr als 1,8 Millionen An- und Abmeldungen vorgenommen - pro Erwerbstätigem im Durchschnitt vier pro Jahr. Im Leistungsbereich werden beispielsweise rund 1.5 Millionen Kunden pro Jahr persönlich am Schalter betreut und nicht weniger als 11,7 Millionen Heilmittelverordnungen - im Durchschnitt 10,9 pro betreuter Person und Jahr - bearbeitet. Obmann Helmut Oberchristl: "Ich glaube nicht, dass die Privatversicherung in irgendeiner Sparte auch nur annähernd eine vergleichbare Betreuungsintensität aufweist. Wer eine Lebens-oder Haushaltsversicherung abschließt, hat mit der Versicherung oft jahrelang überhaupt nichts zu tun."

Die EDV-Landschaft der Sozialversicherung wurde von den Autoren -aus welcher Absicht auch immer - besonders genau analysiert und kritisiert. Und es wurde ein Soll-Wert von 150 Schilling EDV-Kosten pro Jahr und Versicherungsverhältnis gefordert. Nimmt man wieder die tatsächlich betreuten Personen, so hat die OÖGKK eine höchst effiziente EDV. Sie braucht nur 112 Schilling pro Jahr und betreuter Person und somit weniger als sie dürfte.

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass die Verwaltung der OÖGKK nebenbei auch vom Gesetzgeber aufgetragene "fremde" Aufgaben erledigt, etwa die Einhebung der Beiträge für andere oder die Administration des Karenzgeldes. Diese Dienstleistungen repräsentieren alleine einen Wert von rund 250 Millionen Schilling pro Jahr - was im "White Paper" natürlich unter den Tisch gefallen ist.

OÖGKK-Obmann Helmut Oberchristl: "Insgesamt stellt sich das 16 Seiten starke Papier als Fleißaufgabe von wenig Informierten dar, die von der Realität kaum eine Ahnung haben. Dass angeblich auch hochrangige Persönlichkeiten aus der Sozialversicherung daran mitgearbeitet haben sollen, kann mich nur wundern. Was mich allerdings nicht verwundert ist, dass sich zu diesem Dilettantismus niemand bekennen will." Oberchristl fordert die Autoren auf, sich und ihre Motive zu outen - allen voran die "große EDV-Firma". Als kleine Entschuldigung für die Entgleisung solle die EDV-Firma ein seriöses Bench-Marking zwischen der privaten und der Sozialversicherung finanzieren. Oberchristl: "Da würde herauskommen, dass wir eindeutig besser sind."

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