Dreharbeiten zur ORF-Produktion "Hainburg"

Liebe kontra Politik

Wien (OTS) - Auf Hochbetrieb laufen die Dreharbeiten zur ORF-Produktion "Hainburg" - einem Film von Wolfgang Murnberger ("Komm, süßer Tod"), der eine fiktive Liebesgeschichte zwischen einer Demonstrantin und einem Gendarmen zur Zeit der Aubesetzung in Hainburg im Winter 1984 erzählt. Damals verhinderten Umweltaktivisten die Rodung des Auwaldes und damit den von der Regierung beschlossenen Baubeginn für ein Wasserkraftwerk an der Donau. An Originalschauplätzen wird kaum gearbeitet, da diese heute Teil des Nationalparks Donauauen und daher Naturschutzgebiet sind. Nur wenige Szenen dürfen dort - auf Grund einer absoluten Sondergenehmigung -nachgestellt werden. Der Großteil jener Bilder am "Filmschauplatz" Hainburg wird jedoch in der Nähe von Klosterneuburg gedreht. Gestern, am Donnerstag, dem 1. März 2001, arbeitete das Team rund um Regisseur Murnberger an einigen der wenigen Originalschauplatz-Szenen in den niederösterreichischen Orten Stopfenreuth und Eckhartsau, wo auch ein Pressetermin stattfand. In den Hauptrollen stehen die Filmneuentdeckung Barbara Redl als Demonstrantin Veronika und Gunther Gillian als Gendarm Jakob vor der Kamera. Beide wählte Murnberger aus jeweils rund 40 Casting-Teilnehmern aus: Sowohl Redl als auch Gillian sind noch eher unbekannte Gesichter, was für Murnberger ein sehr wichtiger Aspekt war, um die Geschichte authentischer und dramaturgisch interessanter gestalten zu können.
Um die brisanten Ereignisse rund um die Aubesetzung im Winter 1984 besser transportieren zu können, wird Murnberger bestehendes ORF-Dokumentationsmaterial in den Film einbauen, doch trotz politischen Hintergrunds ist die ORF-Produktion "Hainburg" eine Liebesgeschichte. "Ich hoffe, dass jene Leute, die damals dort waren, nicht enttäuscht sind, weil eine Liebesgeschichte im Vordergrund steht und nicht die politischen Ereignisse", so Murnberger. "Aber das ist ja auch nicht unser Ziel: Wir machen einen Film für den ORF-Hauptabend und keine Dokumentation, davon gibt es ja auch schon genügend." Murnberger, der auch das Drehbuch zu "Hainburg" verfasste - übrigens nach einer Idee des ORF-Redakteurs Heinz Ambrosch - hat das Thema Hainburg und die Geschehnisses des Jahres 1984 noch gut in Erinnerung: "Es hat mich damals sehr interessiert, doch ich muss zugeben, dass ich selbst nicht dort war, sondern alles im Fernsehen verfolgt habe." Seinen Hauptdarsteller Redl und Gillian erging es ähnlich, zumal beide noch zu jung waren, um selbst demonstriert zu haben: "Ich war damals 14 Jahre alt", erzählt Gunther Gillian. "Natürlich hab’ ich im Fernsehen alles mitbekommen, nur mein politisches Interesse war damals noch nicht so groß", erzählt der Wiener, der ab 20. März in einer Hauptrolle in der ORF-Komödienserie "Dolce Vita & Co." zu sehen ist. "Dass die Menschen emotional mitgegangen sind, lag sicher auch daran, dass sie schon durch den Fall Zwentendorf, zwei Jahre vorher, auf das Umweltthema sensibilisiert wurden. Aber als 14-jähriger war die politische Welt für mich noch in Ordnung und zum damaligen Zeitpunkt dachte ich: Was der Bundeskanzler sagt, wird schon richtig sein. Später kam ich natürlich zu einer anderen Sicht der Dinge." Die 32-jährige Weizerin Barbara Redl, die erst mit 24 Jahren mit dem Schauspielunterricht am Franz-Schubert-Konservatorium begann, erinnert sich: "Ich war ja auch noch zu jung, bin am Land aufgewachsen und hab’ von ’Hainburg’ nur aus dem Fernsehen gehört. Aber was ich auf jeden Fall mitbekommen habe, ist, dass das Volk gesiegt hat, und das hat mich sehr gefreut. Kinder sind ja immer auf der Seite der Natur und der Menschlichkeit." Im Film spielen Gillian und Redl ein Paar, das während des Au-Konflikts eine intensive, aber kurze Liebe erlebt: Als Demonstrantin für die gute Sache und als Vertreter des Gesetzes, der anfangs - zumindest beruflich bedingt - auf der anderen Seite steht, haben die Filmfiguren Veronika und Jakob nicht die besten Voraussetzungen. Dennoch entwickelt sich eine starke Liebe zwischen den beiden, die jedoch so sehr an den Ort und die Dauer des Konflikts gebunden ist, dass sie an einer kleinen Indiskretion Jakobs zerbricht. "Als Gendarm stehe ich notgedrungen den Demonstranten gegenüber, nicht aus Überzeugung, sondern weil es mein Beruf ist. Erst durch die Liebe zu Veronika entsteht die Sensibilisierung für das Thema", beschreibt Gillian seine Rolle. Die Liebe zwischen Veronika und Jakob endet so schnell wie sie begonnen hat, bleibt jedoch nicht ohne Folgen.
Noch bis 10. März werden die Winterszenen zu "Hainburg" gedreht, Ende Juni beginnt die zweite Drehetappe mit den Sommerszenen des Films, der insgesamt zu zwei Dritteln aus Außendrehs besteht. Für den Rest des winterlichen Drehs, speziell für die Außenaufnahmen, hofft Regisseur Murnberger auf halbwegs erträgliche Temperaturen: "Bisher hatten wir Gott sei Dank maximal minus drei Grad. Das sind im Durchschnitt 10 Grad wärmer, als es die Demonstranten im Jahr 1984 hatten: Wir haben Wetteranalysen von damals studiert, die besagen, dass nachts in der Au sogar bis minus 15 Grad herrschten." Die Schneeszenen zu "Hainburg" konnten auf Grund des relativ warmen Winters bisher noch gar nicht gedreht werden: Doch auf Schnee hofft das Team nicht mehr: "Den haben wir schon bestellt, die Lieferung kommt nächste Woche", erzählt Murnberger. Selbstverständlich handelt es sich dabei um umweltverträglichen Kunstschnee - im Sinne des Naturschutzparks Donauauen!

"Hainburg" ist eine ORF-Produktion, hergestellt von DOR Film. Die Ausstrahlung ist noch für Ende 2001 geplant.

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